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Test – Actual Sunlight

Test – Actual Sunlight

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Positiv
88% - 96%

Unser erster Eindruck war

Unsere Bewertung

04.11.2015 – Test

Actual Sunlight ist ein textlastiges Adventure von Will O’Neill. Seit dem siebten Oktober könnt ihr euch selbst ein Bild von Depressionen und der Einsamkeit machen, die O’Neill zeigen möchte. Ob das Spiel ein Happy End wird, erfahrt ihr bei uns im Test.

Ein trauriger Tag

In Actual Sunlight spielt ihr Evan Winter, einen über dreißigjährigen Angestellten in einer Agentur. Er leidet unter seinem Übergewicht, seinem Job und Depressionen. Im Spiel werdet ihr durch drei unterschiedliche Tage in Evans Leben gebracht. Will O’Neill wollte hiermit kein Spiel erschaffen und das merkt man von der ersten Minute. Die Geschichte in Actual Sunlight läuft an und für sich ganz ohne meine Einflüsse ab. Zwischen den Textblöcken, die aus Evans Gedanken, Texten und Gesprächen mit Therapeuten beruhen, erledige ich kleinere Aufgaben, untersuche die Objekte auf dem Weg und rede mit Personen, wenn Evan dazu bereit ist. O’Neill macht relativ früh im Spiel deutlich, dass Evan nur ein generischer Charakter ist. Er ist eine der tragischen Figuren, die stellvertretend für alle anderen Menschen mit Depressionen steht. Dabei impliziert Actual Sunlight bereits jetzt, dass es keine Lösung für das Problem bietet. Wäre wohl auch zu einfach. Bisher besticht das Spiel durch seine sehr schöne Geschichte und die interessanten Eindrücke, die Evan zu vermitteln weiß.

 

Mittel zum Zweck

In Sachen Gameplay bietet Actual Sunlight nur eines: Text. Evan hat zu sehr vielen Objekten etwas zu sagen. Seine Kommentare schwanken dabei zwischen Hoffnungslosigkeit, Pragmatismus, Reue, Hoffnung und dem Wunsch nach Veränderung. Neben dem Untersuchen von Objekten könnt ihr nur noch laufen. Das Spiel ist eher eine interaktive Kurzgeschichte als ein Spiel. Das ist aber nicht schlecht, sondern passt genial zum Thema des Spiels. Denn für Evan und den Spieler gibt es an und für sich nur Ausblicke aus seinem Leben. Es wird gezeigt, wie eintönig sich das Leben für ihn darstellt, was sein Leben bereichert und was ihn schmerzt. Im Endeffekt lebt er aber kaum, er wandelt zwischen seiner Wohnung, seiner Arbeit und dem Supermarkt hin und her. Actual Sunlight ist definitiv nicht das Spiel für diejenigen, die nach gutem Gameplay und verschiedenen Spielmechaniken suchen, aber zeigt definitiv wie gut Gameplay einer Geschichte dienen kann. Kein Kommentar und keine Einschränkung sind dem Zufall überlassen, was mich bisher am meisten beeindruckt. Da ich aber erst eine halbe von knapp zwei Stunden gespielt habe, hoffe ich, dass die Qualität auch im zweiten Teil des Spiel aufrecht erhalten wird.

Einfach und schön

Wie auch beim Gameplay ist das Design des Spiels eher schlicht gehalten. Es erinnert mich sehr an die guten alten RPG-Maker Tage mit etwas zu großen Köpfen an den Figuren. Wie aber schon beim Gameplay kann ich das Gefühl nicht abschütteln, dass selbst diese Grafik eine gewisse Botschaft mit sich trägt. Ich finde den geringen Fokus auf die Darstellung auch gut, weil die Story und die Botschaft des Spiels viel wichtiger sind. Die einzelnen Artworks und die verschiedenen Umgebungen erschaffen eine sehr realistische Darstellung eines Lebensgefühls. Der Hauptcharakter scheint nur bestimmte Umgebungen wahrzunehmen und zwar auch nur solche, die geeignet sind seine Depressionen zu verstärken oder zu unterdrücken. Insbesondere wurde Wert auf Darstellung der Eintönigkeit gelegt. Das führt dazu, dass der Spieler selbst die Verzweiflung sehen und erleben kann.

Zwischenfazit: Actual Sunlight erzählt bisher eine so geschlossene und gute Geschichte, dass es mir mehr als schwer fällt, die PS Vita überhaupt aus der Hand zu legen. Weder das Gameplay noch die grafische Aufarbeitung sind aber für sich genommen auffällig. Ihr bisher wunderbares Zusammenspiel ergibt sich aus den Emotionen und der Geschichte, die dieses Spiel weitertragen will. Mein Eindruck ist weit mehr als positiv und ich hoffe, dass das Spiel ähnlich gut weitergeht.

Nach drei fertigen Zyklen Actual Sunlight bin ich mit dem Spiel durch, von der Spielzeit und dem emotionalen Aspekt her. Nach knapp fünfeinhalb Stunden habe ich auch fast jede Szene aus dem Spiel mehrfach gesehen, bis auf das Abhören der Telefonnachricht. Ich weiß nicht wann und wo ich das Telefon finde.

Das Ende

Je weiter ihr im Spiel kommt, desto merkwürdiger und verzerrter wird die Geschichte. Gerade die Texte von Evan bekommen immer unterschiedlichere Aspekte, während das Spiel auf seinen Höhepunkt zusteuert. Evan versucht sich im Lauf der Geschichte immer weiter mit seinen eigenen Dämonen auseinanderzusetzen, aber das Leben selbst scheint ihm dabei immer wieder Steine in den Weg zu werfen. Es ist sehr interessant die verschiedenen Zeitpunkte seines Lebens zu sehen und zu erforschen, wie er auf vertraute Gegenstände reagiert. Insbesondere wie sich seine Betrachtungsweise verändert, statt immer gleich auf die Aspekte zu reagieren. Diese emotionale Tiefe des Charakters ist für ein Spiel, welches eigentlich relativ einfach wirkt, überraschend. Während viele Charaktere in Evans Leben nur schwach charakterisiert sind, konzentriert sich das Spiel sehr auf Evan selbst. Bedenkt man seine soziale Kompetenz und seine Lebensweise ist das nicht verwunderlich.

Mit jeder Wiederholung schlimmer

Das einzige was mich noch härter getroffen hat, als das Ergebnis des Spiels, ist die gnadenlose Weise, wie das Spiel abläuft. Von Anfang an macht das Spiel deutlich, dass es kein klassisches Spiel ist, in dem eure Entscheidungen oder euer Verhalten irgendwelchen Effekt haben. Doch genau das habe ich mehrfach versucht und bin kläglich gescheitert. Auch wenn dieses Detail wie einfache Programmierung wirkt, so passt es perfekt zur Geschichte und verdeutlicht einen gewaltigen Aspekt über Depressionen. Dabei gelingt es den Entwicklern perfekt die verschiedenen Phasen und Höhen und Tiefen zu erfassen und so einzubinden. Im Endeffekt bin ich mir noch nicht einmal mehr sicher, ob ich das Spiel gespielt habe oder der Entwickler mich nur als weiterer Aspekt des Spiels behandelt hat.

Fazit: Actual Sunlight ist kein angenehmes Spiel. Das bedeutet aber nicht, dass es schlecht ist. Actual Sunlight geht als Spiel einen sehr direkten Weg auf den Spieler zu und versteckt seine Nachricht nicht hinter irgendwelchen Spielmechaniken. Das geniale dahinter ist, dass das Spiel genauso Ausweglos wirkt, wie die Krankheit, die das Spiel beschreibt. Nach dem dritten Durchgang habe ich erst gemerkt, dass ich mich bereits im selben Zyklus wie der Hauptcharakter bewege. Immer wieder habe ich versucht bestimmte Entscheidungen zu treffen, die sein Leben anders beeinflussen würden, aber es war erfolglos. Genau diese Ausweglosigkeit möchte das Spiel darstellen, was auf eine beeindruckende Weise gelungen ist.

Ich kann Actual Sunlight nur jedem Spieler wärmstens an Herz legen. Gerade bei der Qualität und dem dafür recht niedrigen Preis kann man eine einzigartige Geschichte erleben, die einem mehr über das echte Leben sagen kann, als man vielleicht glauben mag.

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