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ЯETRO Geschichten #3

ЯETRO Geschichten #3

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Guten Tag liebe Nutzerschaft.

An dieser Stelle werde ich Geschichten und Stories zum Besten geben, die sich rund um die alten Handhelds, Spiele und Retrokram drehen.

Heute: Pay2Win – Warum aktuelle Spiele weniger Spaß machen

Die Zeiten ändern nicht nur die Größe der Speicher, Displays und Handhelds, Handys und Flachbildfernseher, nein, auch Spielprinzipien werden radikal umgefaltet.

Auf der PSP habe ich nur allzu gerne die Minis gespielt. Sie waren als Casualvertreter eine willkommene Abwechslung zu Vollpreistiteln. Auf der PS Vita hat Montezuma Blitz die Leidenschaft gepackt und mir, trotz spannender Steinchenschiebemechanik, die Kröten aus der Tasche gezogen.

Und dann verging mir nach hunderten Spielstunden die Lust. Das gleiche Phänomen hatte es Jahre zuvor Cityville auf Facebook geschafft. Drei Stunden am Tag war ich damit beschäftigt, Felder zu bestellen, Häuser und Geschäfte zu bauen, Münzen und Energie zu sammeln.

An Wochenenden wurden das Stadtbild angepasst, die alltäglichen Aufgaben erledigt und so kam man locker auf sechs und mehr Stunden. Dann wurde es zu viel. Zu viel an hineingestopfte Zeit, zu viel an kaufbaren Items und immer weniger Resourcen, die man für seine schon all zu große Stadt benötigte.

Nach rund fünf Monaten und über 300 Spielstunden war dann Schluss. Nicht nur, weil die meiste Zeit für Warten auf Resourcen (Felder, Waren, Energie) versickerte, auch weil man quasi dauerhaft online an der Nadel hing. Hier ein wenig ernten, dort ein bisschen bauen, dort kaufen und wieder verkaufen. Das fing morgens um halb sieben an und hört weit nach Mitternacht auf.

Hinzu kam, dass die Anderen, ihre Städte mit endlos hohen Wolkenkratzern säumten und brachiale Prachtbauten aus dem Boden stampften, die in keiner Relation zur Spielzeit standen. Man hatte stets das Gefühl, mithalten zu müssen. Woher aber das Geld nehmen? Na klar, In-Game-Käufe.

Der Teufel der modernen Zeit. Spiele müssen nicht mehr für 60 Euro angeboten werden. Spieler nutzen das Produkt bis zu einer Engstelle und schwenken dann hoffentlich mit Echtgeld auf höhere Pfade. Was im Prinzip erst einmal gut klingt, wird zusehends penetriert.

Spielzeiten werden damit aber künstlich beschnitten. Weil Leben/Versuche auf ein Minimum reduziert werden, obwohl man viel Länger spielen wollen würde. Weil Aufgaben und Missionen künstlich auf einem hohen Schwierigkeitslevel gehalten werden, die einem die Lust nehmen. Und natürlich auch, weil reiche(re) Persönlichkeiten sich so einen Vorteil erkaufen können.

Was jetzt nicht heißt, dass ich kein Geld besitze. Ich gehe schließlich einer bezahlten Arbeit nach, 40 Stundenwoche und regelmäßigem Urlaub. Klar, mein Hobby sind kostspielige uralte Flipper geworden, aber dennoch nage ich, beileibe, nicht am Hungertuch.

Es ist die Masse an Käufen, die man pro Spiel tätigen kann, oder muss (bzw. eher sollte). Bei 2 Euro für eine Rüstung fängt der Spaß meist noch harmlos an, Autopacks für nen Zehner sind dann keine Seltenheit mehr und schließlich werden Spielwährungen für 90 Euro angepriesen. Muss man nicht zahlen, aber schon aus den Spielprinzipien ergibt sich Missmut.

Denn um an derlei viele Gold-, Silber- und Sterntaler zu kommen, sind nicht nur massive, exzessive Sitzungen nötig. Man muss Tag für Tag mit dem Spiel verbringen, um kostenlos erhältliche Belohnungen und Goodies überhaupt abstauben zu können. Das geht in den meisten Fällen nicht und selbst Vollzeitredakteure wie der Onkel Jo benötigen für Trials Frontier knapp 3 Monate. Zu früheren Zeiten hätte man solch ein Spiel in einer Woche durch den Fleischwolf gejagt.

Jetzt ist es natürlich so, dass es immer wieder Leute gibt, die sagen, man müsse ja solche Titel weder downloaden noch spielen. Aber so einfach ist das auch wieder nicht. Es gibt in der Tat Spiele die gut sind. Neben zehn grottig schlechten. Aber das ist wieder so eine Rosinenpickerei. Da kann man froh sein, wenn man diese eine Perle gefunden hat. Es war vielleicht genau das Spiel, dass man sich immer gewünscht hat.

Ob nun für Unterwegs, auf dem Handy oder daheim auf Konsole. Wird einem alsbald klar, dass man dem Pay2Play aufgesessen ist, ist es meist zu spät. Denn kostenlos ist nicht mal der Tod, der kostet einem das Leben. So harsch sich das anhört, es geht natürlich noch perfider. Nikelodeon hat es mit Turtles Rooftop Runners vorgemacht, wie man erst die Kundschaft zahlen lässt um mit sündhaft teuren Spielfiguren und sonstigen In-App-Käufen weiter Kasse macht.

Wenn man dann dagegen liest, wie sich die User über das Android-Game Pinball Arcade aufregen, könnte einem dagegen der Kragen platzen. Es handelt sich um eine Ansammlung Flippertische, die monatlich anwächst, inzwischen mehr als 50 kostenlos zum antesten bietet (bis zum ersten Highscore) und durch Sammlungen (Doppelpakete, Staffeln, PRO-Pakete) und Einmalkäufen zu Voll- und Proversionen aufgepimpt werden kann.

Wenn dann aber Beschwerden kommen, dass (die billigste Variante: Doppelpack für 3,84€) ein Tisch 1,92 Euro kostet, dann ist man schlicht ratlos. Schließlich kann man solch einen Flippertisch (in diesem Fall sogar zwei!) so lange und häufig spielen, bis einem das Regelwerk zu den Ohren rauskommt oder man das Device geschrottet hat. In diesem Fall spielt man seine Käufe einfach auf dem nächsten Gerät auf und weiter gehts.

Das große Problem an P2P sehe ich aber nicht darin, dass wir unzählige Euro ausgeben sollen. Wenn ein Spiel gut ist, kann man gerne seine Zeit und Geld investieren. Was aber zurückbleibt ist die Frage, was habe ich dafür bekommen?

Spielspaß ist nur dann wichtig, wenn man vor dem Spiel sitzt. In vielen Fällen eher daheim, wenn man Zeit hat. Gegenstände? Die sind nur wichtig während des Spielens selbst und sind teils nur für den eigenen Charakter ausgelegt. Resourcen? Zwingend nötig wenn man voran kommen möchte, verfliegen und sieht man später nur in anderer Form wieder.

Was mich an P2P so stört, dass man das hineingesteckte Geld kaum sieht. Ja, die Stadt ist groß und Prachtvoll. Aber das könnte mit 40 Euro (und massig Zeit) genauso gelungen sein, wie mit 573,50 Euro. Was gibt einem das Spiel zurück, was bleibt übrig wenn man eine längere Pause einlegt und zurückkommt.

Zu viele Items sind meist nötig und selbst wenn man die Qual der Wahl hat, ist man doch irgendwie unzufrieden und fühlt sich ausgenommen. Da hat mein Kollege für ein Alien-Spiel auf Android Coins für 90 Euro gekauft, seine Spielfigur mit den besten Waffen aufgemotzt und sitzt nun auf einem Berg von rund 45 Euro Coins, die für ihn keinen passenden Einsatz finden. Das übrige Geld bekommt er nicht zurück.

Im Prinzip ist es wie auf dem Jahrmarkt. Man investiert in Wurf- und Schießbuden und weiß vorher nicht, ob man den großen Teddy der Freundin mitbringen wird. Spaß wird es wohl sicher machen, aber das Geld ist weg. Kein zweiter Versuch, dafür hat aber auch kein Anderer eine größere Büchse. Das Risiko ist für alle Gleich. Bei Spielen ist das leider nicht mehr so.

Ich bin ja erst kürzlich Besitzer eines Galaxy Tab S geworden. Samsung hat sich da reichlich Mühe gegeben ein tolles Tablet an den Start zu bringen. Es gibt auch reichlich Goodies. Bereits bezahlte oder mit In-App-Käufen und Guthaben versehenen Apps. Cut the Rope kam auch erst dieses Jahr mit einem Nachfolger daher, daher und weil ich derzeit verstärkt flippere, kam noch nicht der Gedanke daran es mal zu testen.

Der Download war unten, die App installiert. Schnell hat man sich im Spielgeschehen gefunden, die bunten Drops verfüttert und der Gefallen wuchs. Doch, oh Graus! Was ist das? Nur noch 10 Versuche? Der Shop versteckt dabei perfide die dreisten Preise. Kann man Bonbon-Münzen für bis zu 35,99 Euro kaufen, werden alle anderen Artikel im Spiel über Jene abgerechnet. Hier ergeben sich dann rasch neue Begehrlichkeiten und alsbald sind neue Käufe davor getätigt zu werden.

Ich würde da lieber einen fixen Preis ausgeben, als mich mich dutzenden Käufen, bis zur Applöschung, zufrieden zu geben. Dass solch ein Geschäftsmodell funktioniert, sieht man an der Grand Theft Auto Reihe und den Modern Combat Spielen bereits. Auch andere Toptitel wie Castle of Illusion und den meisten Final Fantasy Games sind ihr Geld wert.

Aber Android? Das ist doch das selbe wie iOS, nur in grün. So viel Unterschied ist da nicht, selbst Controller für Bluetooth gibt es bereits, Spielen muss auf mobilen Devices keinerlei Deut schlechter sein. Es hat sogar einen kleinen Vorteil. Updates werden nebenbei geladen, nicht erst wenn man gerade Spielen will.

Jetzt sind Spiele mit P2P oder auch Pay2Win, immer noch da und es werden sicher nicht weniger. Daher versuche ich sie in der Tat zu meiden und das klappt auch ganz gut. Egal ob man sich online informiert oder Kundenbewertungen liest, Testspiele bei Kollegen und Freunden macht, es gibt in dieser Mannigfaltigen Welt sehr viele Möglichkeiten, nicht in die Fänge von P2P zu geraten. Und sei es auch nur Google zu fragen.

Warum die Spiele aber letztendlich weniger Spaß machen ist im Grunde bei allen Titeln mit P2P dasselbe: Man kommt sich ständig so „halb“ vor. Als hätte man etwas verpasst oder nicht bekommen. Als hätte man mehr Zeit, mehr Geld, mehr Arbeit investieren müssen, was man aber nicht hat. Selbst nach Beendigung, wenn das überhaupt möglich ist, wirkt diese Unfertigkeit nach. Denn ein anderer Spieler hätte ja mehr Spielspaß haben können.

Freut euch auf den nächsten Artikel: Verloren im Dschungel der Updates

Euer Alex

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