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Test – The Swapper

Test – The Swapper

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08.08.2014 – Test

Vorwort: Vor kurzem hatte ich mit einigen Kollegen auf einer etwas längeren Autoreise darüber philosophiert, wie die Menschheit das „Beamen“ erfinden könnte. Wir sind bei der Idee hängen geblieben, dass sämtliche Informationen aus dem Gehirn transferiert und in einen Klon übertragen müssten. Damit wäre das Individuum nicht mehr die Körperhülle sondern die Seele. Nach einigen Späßen mit „Was würde ich mit meinem Klon alles machen“ geriet dieser Gedanke schnell (und auch völlig verdient) in Vergessenheit. Und nun habe ich The Swapper gespielt und werde unweigerlich daran erinnert. Warum? Nun, lest selbst.

The Swapper wurde ursprünglich vom Entwicklerstudio Facepalm entwickelt und entpuppte sich auf dem PC als echter Hit. Die fleißigen Jungs und Mädels von Curve Studio nahmen sich den anspruchsvollen Titel an und portierten ihn für Sonys Konsolen – darunter auch die PS Vita. Seit dem 06. August steht der Titel für 14.99 Euro inklusive Three-Way-Cross-Buy und Cross Save (PS3, PS4 und PS Vita) im Store. Wir haben uns in die Tiefen des Weltalls begeben und sagen euch, ob sich dieser Warpsprung lohnt.

Alleine im Universum

Schon der Anfang des Spiels startet verwirrend. Nachdem ihr in dem fast schon leeren Startbildschirm euer Spiel beginnt, werdet ihr Zeuge, wie eine Rettungskapsel von der Raumstation Theseus auf den Planeten Chori V geschickt wird. In ihr ist euer Protagonist, der vergeblich um Hilfe ruft. Es gibt keine Einleitung, keine Vorgeschichte oder irgendein Gespräch. Nur der scheinbar absichtliche Start der Rettungssonde zum mysteriösen Planeten. Auf dem Planeten Chori V angekommen geht es genauso weiter: Ihr seid auf einem Planeten ohne Licht und ohne Leben. Nur eure Taschenlampe zeigt euch, dass es hier nichts besonderes gibt. Quasi im Vorbeilaufen bekommt ihr die Grundsteuerung erklärt: Laufen, Springen, Kamera bewegen, Schalter betätigen. Dann begegnet ihr plötzlich einen von Menschen gebauten, minenartigen Tagebau. Und dort findet ihr das Gerät, welches dem Spiel seinen Namen gibt: The Swapper, zu Deutsch „Der Wechsler“.

Der eigentliche Anfang

So gleich beginnt das eigentliche Tutorial des Spiels, indem euch in verschiedenen Räumen die Funktionalität des wundersamen Gerätes erklärt wird. Bis zu vier Klone könnt ihr wie eine Bildprojektion eines Beamers überall an den Bildschirm „werfen“ und damit für euch unerreichbare Plattformen und Schalter betreten. Aber nicht nur das; Ihr könnt sogar die Steuerung zwischen den Klonen und dem „Original“ wechseln – und so riesige Abgründe oder Klippen überwinden. Doch einen Haken hat das Ganze: Sämtliche Klone bewegen sich exakt wie das Original. Bewegt ihr euch also nach links, bewegen sich alle nach links, genauso wenn ihr springt, springen eure Klone mit. Und damit hätten wir auch das Geheimnis gelüftet, welches Genre es ist. Im gesamten Spiel werdet ihr nun die Aufgabe haben, zahlreiche Rätsel mithilfe eurer Duplikate zu lösen.

Das Tutorial endet mit der Wiederkehr zum Raumschiff. Dort angekommen stellt sich nur eine einzige Fragen: Was soll das Ganze? In dem fast zerstörten, leblosen Schiff trifft ihr auf eine Person, die ihr von nun an verfolgen werdet, um die Antwort auf eure Frage zu erhalten. Das Spiel spielt sich fortan ausschließlich auf „Theseus“, durch das ihr euch euer Weg bahnen müsst. Diverse Schranken verhindern dabei, dass ihr von jetzt auf gleich das Spiel beendet. Um diese zu deaktivieren, sind sogenannte Sphären nötig, die überall im Schiff verteilt sind. Und da kommen die Rätsel ins Spiel.

Profi-Puzzeln

Die Sphären sind in den einzelnen Räumen so ungünstig „gelegt“, dass ihr nicht drum rum kommt, euren Wechsler einzusetzen. Der Schwierigkeitsgrad wird dabei schnell knackig: Ihr müsst von Anfang an den Gedanken entwickeln, mit dem ihr bis zu fünf Spielelemente gleichzeitig koordiniert. Die Planung jedes einzelnen Schrittes ist dabei der absolute Schlüssel zum Erfolg – und damit sind die eurer Spielfigur gemeint. Von Abschnitt zu Abschnitt werden neue Elemente eingeführt, die ohne Anleitung sofort zu bewältigen sind. Den absoluten Höhepunkt findet man dann am Ende des Spiels, wo jedes Rätsel genau eine Lösung beinhaltet, welches das Auslösen von Ereignissen in einer ganz bestimmten Reihenfolge voraussetzt. Frust trifft auf Genialität. Und vor eins seid gewarnt: Sämtliche Trophäen des Spiels sind versteckt und müssen bis spätestens vor der letzten Schranke gefunden sein, sonst dürft ihr von vorne anfangen. Und das bei einer Spielzeit von gut fünf Stunden.

Ein kleiner Gedanke

Noch viel beeindruckender ist die Einbindung der Geschichte. Sie ist so unglaublich tiefgründig, dass man auf den ersten Blick gar nicht erkennt, worum es geht: ein nichtssagender Astronaut, die unbekannte Figur, komisch aussehende Steine, die sprechen. Mittels Kontrollstation bekommt ihr einen Einblick, was auf diesem Schiff passiert ist. Und nach anfänglicher Verwirrung verspürt man nur noch die Neugier. Dabei ist Grundlage der Geschichte die Spielmechanik oder besser gesagt Der Wechsler selbst. Wer aufmerksam den Gedanken der Steinen und den Niederschriften der Besatzung liest, wird unweigerlich mit einer ganz und gar philosophischen Frage konfrontiert: Was ist das menschliche Bewusstsein und worin besteht es. Es ist äußerst interessant, die Meinung der Entwickler zu erspielen, um letztendlich dann selber seine Gedanken zu machen.

AAA

Komplettiert wird dieser geniale Ansatz von einer unglaublichen Atmosphäre. Das Weltall, ein verlassenes Raumschiff und fragwürdige Umstände lassen erstmal auf einen Horrorstreifen im Alien-Stil vermuten. Stattdessen vermitteln die Soundeffekte fast ohne zu Hilfenahme von Hintergrundmusik perfekt die aktuelle Stimmung vom Protagonisten und spiegelt eindrucksvoll das geheimnisvolle aber nicht furcheinflößende Setting wieder. Grafisch präsentiert sich The Swapper eindrucksvoll. In eine 2D Welt mit 3D Objekten verpackt, werden die Lichteffekte und damit auch die Lichtquellen nur sparsam aber dafür äußerst effektiv eingesetzt. Jede erleuchtete Stelle des Spiels prunkt mit einer Detailgenauigkeit, die sich nicht vor Grafik-Champions Uncharted oder Killzone verstecken muss – und das Ganze ohne Ruckeln oder Ladezeiten! Zusammen mit dem Setting und dem Sound hat man mit The Swapper eines der wohl atmosphärischen Titel, die es auf der PS Vita gibt.

Fazit: Was Facepalm mit The Swapper gemacht hat, ist sagenhaft. Es wird alles richtig gemacht: Die sehr spezielle Spielmechanik mit den knackigen Rätseln, die tiefgründige Story mit dem philosophischen Ansatz, sowie die filmreife Atmosphäre. Ich war gefesselt von den vielen Zahnrädern, die alle perfekt in sich greifen und von Abschnitt zu Abschnitt immer mehr werden. Obwohl Curve Studios das Spiel nicht selbst entwickelten sondern „nur“ auf die PS Vita portierten, gebührt auch ihnen ein großer Dank für die perfekte Arbeit ohne Qualitätseinbüßen. Davon können sich viele größere Publisher eine oder zwei Scheiben abschneiden.

Sicher ist: The Swapper ist mit seiner recht schwierigen Spielmechanik und der gesamten Aufmachung nicht für jeden gedacht. Wer sich jedoch darauf einlässt, bekommt eine Garantie dafür, dass die 14,99 Euro wohl nicht besser investiert werden können. Chapeau.

 

 

Lars Leidenschaftlicher Gamer, Ehemann und IT-Berater. Liebt seine PS Vita, seinen Hund und Wordpress. Seit 2011 Redakteur und seit 2013 Administrator und Webmaster von yourPSVita.

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