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Test – Starlight Inception

Test – Starlight Inception

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02.10.2014 – Test

Mit der Hilfe von kickstarter.com hat Escape Hatch Entertainment den Weltraumshooter Starlight Inception auf die PS Vita gebracht. Nach einiger Kritik am Anfang wurde das Spiel mit einem großen Update versehen, das die vielen Flüchtigkeitsfehler beseitigen soll. Ob das die Initialzündung für das Spiel war, erfahrt ihr bei uns im Test.

Startet die Triebwerke

Weltraumspiele gehören für mich eigentlich seit Freelancer mit zu den interessantesten Grundkonzepten, die für ein Spiel verwendet werden können. Häufig ist diese Bürde für die nachfolgenden Spiele so schwer zu tragen, dass die meisten daran scheitern. Für ein erfolgreiches PS Vita-Spiel sind bestimmte Grundkonzepte zu erfüllen. Zumindest wünschenswert ist eine spannende Geschichte, die das Universum des Spiels nicht nur für Außenstehende kreiert, sondern diesem auch eine gewisse Tiefe verleiht. Notwendig dafür ist sicherlich ein Grund für den im Spiel vorherrschenden Konflikt zu etablieren. Aber auch der Rest der Story sollte interessant gestaltet sein und ein Gefühl von Sinn in den Weiten des Weltraums bieten. Die Weiten des Weltraums ist sowieso ein wichtiger Aspekt des Spiels, der irgendwie dargestellt werden sollte. Insbesondere die Freiheit innerhalt des Spielverlaufs ist wichtig, dabei ist es noch nicht einmal notwendig ein Open-World-System einzubauen, sondern auch im Rahmen von Missionen möglich, in dem das Spiel nicht zu geradlinig gestaltet wird. Nicht nur Freiheit innerhalb einer Mission ist erforderlich, auch wenn ich mein Raumschiff vor Missionsantritt auswählen und ausrüsten kann, möchte ich nicht nur Möglichkeiten bekommen, die keinen relevanten Einfluss auf mein eigenes Vorgehen haben. Grafisch ist wenigstens eine Divergenz bei den unterschiedlichen Missionsebenen nötig, auch wenn die Umgebung Weltraum vom Grunde her nur wenig unterschiedliche Darstellungen bietet.

Alle Zeichen auf Krieg

Die Erde befindet sich im Jahr 2114. Die Modernisierung der Menschheit hat zur Erkundung und Eroberung des Weltraums geführt. Doch neben den neuen Lebensräumen haben sich auch Konflikte ergeben. Diese haben zum Ausbruch des dritten Weltkrieges geführt. Die blutige Niederschlagung kostete vielen Menschen das Leben. Eine einzelne große Macht hat den Krieg überstanden und kontrolliert nun die Geschicke der Menschheit: die United Star Force. Die alten Feinde, immer noch zerfressen von Hass, planen einen neuen Aufstand und haben ihre Streitmacht aufgerüstet. Als Pilot der United Star Force erlebt Ihr den Ausbruch des vierten Weltkrieges und kämpft an vorderster Front gegen eine Übermacht an Gegnern. Die Story ist an sich recht knapp und etwas klischeebehaftet. Dennoch baut das Spiel auf der Story auf und führt sie auch Mission für Mission weiter.

Schwadron gegen Flotte

Bereits zu Beginn des Spieles zeigt euch Starlight Inception, was ihr im Lauf der Geschichte erleben werdet. Ihr tretet mit eurem Geschwader, bestehend aus vier Raumschiffen, gegen eine Übermacht an Gegnern an. Von einfachen Jägern bis großen Schlachtschiffen haben die feindlichen Einheiten alles im Repertoire. In einigen Missionen erhaltet ihr auch Unterstützung durch Verbündete. Bis auf eine Mission enthalten alle Missionen mehrere Teile. Zumeist müssen feindliche Raumschiffe abgeschossen werden. Daneben lockern Frackuntersuchungen, Rettungsaufträge und einfache Flüge das Spiel auf. Während der Missionen sind von Kontrollpunkte abfliegen, Feindliche Truppen ausschalten und Objektuntersuchungen alle typischen Aufgaben vorhanden. Leider fehlt innerhalb von Missionen an Freiheiten. So müsst ihr nicht den nächsten Kontrollpunkt anfliegen, um die nächste Hauptaufgabe freizuschalten, aber wenn ihr keine Nebenmissionen zu erledigen habt, ist es das nächstbeste was ihr tun könnt. Denn die Areale, in denen ihr euch bewegt sind zwar sehr groß, aber es passiert nichts neben den Aufgaben. Den restlichen Mitgliedern eures Teams könnt ihr einfache Befehle geben, wie das aktuelle Ziel angreifen, Ausweichen zu favorisieren oder andere Aktionen. Die Standardtaktik der anderen drei Piloten ist das Handeln nach eigenem Ermessen. Dieser Modus erlaubt es den NPCs, auf die unterschiedlichen Situationen zu reagieren. Die AI ist hier auch sehr zuverlässig. Die anderen Piloten fliegen sehr zuverlässig und können ganze Jäger-Geschwader alleine ausschalten. Leider sind eure Verbündete wenig gesprächig. Nur in vorgefertigten Skripten werden Funksprüche gesendet. Zwischen den Missionen bringen Zwischensequenzen die Geschichte voran. Doch bis zur nächsten Mission müsst ihr durch die Raumstation bis zum Bereitschaftsraum laufen. Vor dem Update war der Bereitschaftsraum eine Katastrophe: Keine Menschen, ein langer Weg und null Interaktionsmöglichkeiten. Das Update hat die Grundsituation deutlich verbessert. Es besteht keine Bindung an den Weg bis zum Bereitschaftsraum, wir können auch einfach so die Mission starten. Wer dennoch den Weg macht, wird einige Menschen sehen, die wenigstens den Anschein erwecken irgendeiner Tätigkeit nachzukommen. Sie sind zwar immer noch Still und wirken etwas fehl am Platz. Aber der Eindruck auf einem Geisterschiff zu sein ist verschwunden. Die Lenkung der Raumschiffe erfolgt über den Control-Stick. Ähnlich wie bei echter Fahrzeugsteuerung reagiert das Raumschiff nicht direkt auf Bewegungen, sondern muss echt gelenkt werden. Dies gibt dem Spiel ein Gefühl von Realismus, während es zeitgleich erlaubt, Angriffen von Waffen und Raketen auszuweichen oder sich durch enge Strukturen zu bewegen. Zu Beginn mögen diese Einstellungen noch etwas überfordern und das Ausweichen mag auch nur schwerlich gelingen. Doch bereits nach wenigen Missionen sollte euch die Steuerung so ins Blut übergehen, dass auch gelegentlich Raketen gegen euch nutzlos erscheinen oder ihr nehmt einfach euer Schild. Der Patch hat hier nur wenig Änderungen gebracht, doch war dafür auch kein zwingender Bedarf. Das Hauptproblem des toten Raumschiffes wurde zumindest einmal befriedigend korrigiert.

Volle Energie auf die Schilde!

Vor Beginn jeder Mission könnt ihr euch mit euren Kommandopoints (KP) neue Raumschiffe freischalten. Es existieren die verschiedensten Arten an Schiffen. Zwischen Mehrzweckraumschiffen, Frachtern, Jägern und Bombern ist in mehreren Ausführungen wählbar. Jedes Schiff bringt verschieden Grundvoraussetzungen mit sich. Schwer gepanzerte Raumschiffe sind wesentlich langsamer, sie halten aber dafür mehr Treffer aus. Jäger sind schneller, aber haben eine schlechtere Panzerung. Jedes Raumschiff bringt eine bestimmte Anzahl an Plätzen für Erweiterungen mit. Hier können Waffen, zwei Raketen, Schilde, Tarnsysteme und sonstige Erweiterungen, wie verbesserte Energie oder eine Panzerung eingebaut werden. Ist eine Erweiterung einmal gekauft, könnt ihr sie immer wieder kostenlos verwenden. Seit dem Update ist es nun möglich die Farbe des Schiffes zu bestimmen. Nach dem Zusammenstellen eures Raumschiffes könnt ihr in die Mission starten. Ein wichtiges Element ist eure Stromversorgung. Die Parameter sind Waffen, Antrieb, Schilde und Reparatur. Die Waffen- und Schildparameter beeinflussen, wie schnell sich die Energie der Waffensysteme oder Schilde auflädt. Der Reparaturparameter verändert die Geschwindigkeit, in der Schäden am Raumschiff automatisch repariert werden. Schließlich bestimmt der Antriebsparameter welche Grundgeschwindigkeit das Raumschiff hat und wie schnell die Maximalgeschwindigkeit mit dem Nachbrenner erreicht wird. Grundsätzlich haben alle Systeme 100 % Energie, dargestellt durch zwei Balken. Die Verteilung der Energie variiert zwischen 10 % und 200 %. Das korrekte Anpassen der Energie an die Spielsituation kann eure Spielerfahrung nicht nur verbessern, sondern auch wesentlich erleichtern. Das System ist gut durchdacht und erlaubt es euch grundsätzliche Stärken und Schwächen der Raumschiffe durch geschickte Energieverteilung etwas auszugleichen bzw. die Attribute noch verbessern.

Allein im Universum

Nebst dem Storymodus kennt Starlight Inception noch den Flugpatrouillenmodus. Dieser stellt sich als 3D-Tower Defense dar. Ihr nehmt euch eines euer Raumschiffe und müsst die aus der ER-Brücke, einer Art künstlichem Wurmloch, auftauchenden gegnerischen Schiffe ausschalten. Wie üblich habt ihr eine Basis, deren Trefferpunkte ihr verteidigen müsst. Als Unterstützung könnt ihr für 20 KP kleine „Türme“ setzen. Die Türme sind kleine immobile Geschütze, die von eurem Schiff abgeworfen werden. Wer TD-Spiele liebt, der wird auch in diesen Missionen seinen Spaß haben. Bei dem anderen Modus handelt es sich um den Multiplayer. Im diesem tretet ihr zufällig einem offenen Spiel bei und kämpft mit einem Raumschiff gegen oder mit euren Mitspielern. Neben dem Deathmatch finden sich noch zwei Flaggenmodi. Einmal „Protect the Flag“, hier konkurrieren alle Spieler um eine Flagge und derjenige, der die Flagge am längsten hat gewinnt. Das andere Spiel „Capture the Flag“ lässt die Spieler in Teams gegeneinander antreten und Flaggen sammeln, um sie in ihre Basis zurückbringen. Durch die gleichartige Ausrüstung der Schiffe hat niemand einen wahren Vorteil. Nur die Wahl des richtigen Schiffes und das eigene Können entscheiden hier über Sieg oder Niederlage. Der Multiplayer macht an für sich viel Spaß und bringt gerade durch die Zufallskomponente viel Neues. Die unterschiedlichen Modi bringen einiges an Abwechslung. Zumindest würde der Multiplayermodus auch auf Dauer Spaß machen, wenn mehr Spieler dort wären. Auch nach dem Update ist es relativ schwierig andere Spieler zu finden, auch wenn die Funktion „Quickmatch“ die Wahrscheinlichkeit signifikant erhöht. Dennoch bleibt ein Mangel an Spieler ein Manko.

Houston wir haben ein Problem

Starlight bietet eine nette Sounduntermalung. Die Musik hält sich zumeist in den Missionen zurück, was aber nicht stört, da schon von Natur aus der Weltraum selbst eher leise veranlagt und man mehr auf die Schlachten konzentriert ist. Die Laser- und Raketenangriffe sind realistisch unterlegt. Die Grafik hingegen bietet echte Höhen und Tiefen. Sehr überzeugend ist die Gestaltung der Raumschiffe gelungen. Sowohl eigene, als auch feindliche Raumschiffklassen sind leicht erkennbar. Ebenso gelungen sind die großen Schlachtschiffe. Sie sind in mehrere Trefferzonen aufgeteilt und mit Abwehrtürmen versehen. Der Weltall selbst wirkt zu Beginn etwas einfach, entfaltet seinen ganzen Charme mit voranschreiten in der Story. Die verschiedenen Planeten besitzen eine eigene Gestaltung. Von der Erde über den Mars bis hin zu gasüberzogenen Planet zeigen sich die Planeten in unterschiedlicher Gestalt. In einigen Missionen könnt ihr sogar auf Oberflächennähe fliegen. Die dortigen Städte und Verteidigungsanlagen überzeugen mit ihren kleinen Details, die sie sehr realistisch machen. Im Allgemeinen ist die Detailnähe sehr passend für die Flüge mit Raumschiffen im Vergleich zur Größe der anderen Objekte gewählt. Die Raumschiffzwischensequenz wurde wesentlich verbessert, bleibt aber doch hinter dem Rest des Spiels zurück. Auch die Personen auf dem Schiff wirken etwas eintönig und charakterlos. Vor dem Update war der größte grafische Fauxpas die Mission 02 in Chicago. Ihr sucht in einer zerstörten Stadt nach Überlebenden. Leider waren die Überreste der Gebäude, wie der Rest der Umgebung nur einfaches Grau. Die Gebäude wurden auch erst sehr später generiert und die ganze Stadt wirkte unfertig und ungetestet. Nach dem Update ist die Mission wesentlich verbessert worden. Gerade die Gebäude wurden mit ein paar Details versehen und werden früher generiert.

Fazit: Ich fand es recht schwer mir bei Starlight Inception zu einem Ergebnis für den Test zu kommen, weil das Spiel zwischen den Erwartungen schwankt. Insbesondere die Steuerung der Raumschiffe gefällt mir sehr gut. Nach ein paar Missionen war es ein Kinderspiel Raketen und Feuer auszuweichen und auch kompliziertere Kämpfe gelangen mir spätestens im zweiten Anlauf. Auch die KI fand ich sehr interessant. Zu Beginn waren die Gegner etwas zu einfach, aber mit steigender Feuerkraft und Größe der gegnerischen Raumschiffe werden auch diese eine größere Herausforderung. Dabei kann man sich immer auf die tatkräftige Unterstützung der eigenen Flotte verlassen, die sehr gut auf verschiedene Situationen reagieren. Das ist auf alle Fälle realistischer als ein Rambo-Pilot. Von der Umsetzung des Systems sind meine Erwartungen auf alle Fälle erfüllt worden. Doch was die Weiten des Weltraums betrifft, so ist es doch mehr Schein als Sein. Ein Open World-System bietet das Spiel zwar nicht, dennoch bieten die Missionskarten verschiedene Aufgaben und eine weite Welt. Dies ist ein guter Schritt Richtung Erfüllung meiner Erwartungen, aber alles wirkt mir doch zu sehr linear und aufgesetzt. Statt einer großen Weite spürt man doch außerhalb der eigentlichen Schauplätze eine große Leere. Hier wäre eine andere Gestaltung besser gewesen. Grafisch finde ich gerade die Kampfszenen recht gut umgesetzt, auch wenn einige Unsauberkeiten bei Modellen festgestellt werden können. Die Raumstation ist hier immer noch ein unschöner und etwas enttäuschender Zusatz, der aber nun übersprungen werden kann. Wirklich störend finde ich, dass der spaßige Multiplayer unter mangelnder Spielerzahl leiden muss und so faktisch hinter den Erwartungen zurückhängt.

Starlight Inception ist ein eigentlich gut gelungener Weltraumshooter und der einzige seiner Art auf der PS Vita. Wer einen solchen Shooter sucht, der ist hier an der genau richtigen Stelle. Gerade für Spieler, die noch ein paar Freunde begeistern können, kann sich das Spiel wegen lustigen Multiplayerkämpfen lohnen.

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