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Test – MouseCraft

Test – MouseCraft

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08.08.2014

Curve Studios hat ihr eigenes „Mausterpiece“ veröffentlicht. Mit MouseCraft wollen sie ein „Rätselspiel der besonderen Art“ kreieren. Doch was macht ein Rätselspiel zur besonderen Art? Es braucht neben anspruchsvollen Aufgaben eine interessante Spielmechanik und einen außergewöhnlichen Stil, der sich von anderen Spielen unterscheidet. Ob MouseCraft den Spagat zwischen guten Rätselelementen und ausgefallener Spielmechanik schafft, erfahrt ihr bei uns im Test.

Schrödingers Katze

Das Gedankenexperiment von Erwin Schrödinger kann dank MouseCraft gelöst werden. Schrödingers Katze ist nicht nur am Leben, sondern heißt auch selbst Schrödinger. Sie arbeitet zudem seit einiger Zeit an einem Experiment mit Mäusen, welche mit Käse angelockt werden. Leider glückt dieses Experiment nicht und Schrödinger ist am Rande des Ruins und hat nur noch genügend Geld, um sich Käse für einen letzten Versuch zu kaufen. Nach einigen erfolgreichen Versuchen entsteht sogar ein „Anima-Kristalle“, für welche er viel Geld angeboten bekommt und seine Versuchsreihe deswegen ausbaut. Da bei Rätselspielen die Geschichte selbst nur selten im Vordergrund steht ist diese Einkleidung in eine Rahmenhandlung sicherlich ausreichend. Gerade die Anspielung auf die Physik ist nett gemacht und setzt den Ton für die Rätsel des Spiels.

Die Katze lässt das Mausen nicht

Ziel eines jeden Levels ist es mindestens eine der drei Mäuse zum Käse zu locken. Ein Level startet mit einem vorgefertigten Hindernisparcours, der so nicht für die Mäuse schaffbar wäre. Entweder sind Feinde in der Nähe, die die Mäuse beim ersten Aufeinandertreffen ins Jenseits befördern oder die Bewegungsmöglichkeiten der Nager sind nicht ausreichend, um das Ziel zu erreichen. Neben der Fähigkeit in eine Richtung zu laufen, bis sie eine Wand treffen und sich dann umzudrehen und weiter zu laufen, können die Nager noch springen und fallen. Das Springen reicht aber mal gerade für eine Höhe von einem Block und das Fallen beschränkt sich bei den fragilen Mäusen auf eine Tiefe von drei Blöcken. Sollten die Mäuse tiefer fallen ohne von einem Sonderblock aufgefangen zu werden, so verpuffen sie einfach. Um die Mäuse sicher von ihrem Startplatz, meist ein Laufrad, zum Käse zu bringen müsst ihr die euch an die Hand gegebenen Blöcke verwenden und so den Weg bereiten. Die Blöcke kommen Fans von Tetris sicherlich bekannt vor, auch wenn ihre Funktion bei MouseCraft etwas anders ist. Durch die Blockvorgaben und die wenig anspruchsvollen Level ist dies zu Beginn noch sehr einfach. Doch schnell erhaltet ihr neue Gegenstände und Hindernisse, die euch das Leben schwerer machen. So z.B. die Bomben, mit denen Blöcke zerstört werden können. Nachschub für euren Vorrat müsst ihr euch aber im Level selbst verdienen. Auch Gummiblöcke, die Stürze abfedern, TNT-Blöcke, die Explosionen hervorrufen und beim Betreten bröckelnde Blöcke treten eurem Repertoire bald bei. Aber auch die Leveldesigns und damit der Schwierigkeitsgrad nehmen schnell zu. Schon bald gilt es auf gefährliche Robotermäuse aufzupassen, die sich so benehmen wie Mäuse und diese bei Berührung töten. Auch das Fallen und die Bedrohung von Wasser gilt es recht schnell zu überwinden. Das Spiel verlangt euch somit einen ganzen Haufen Kreativität ab, wenn ihr euch an den Stufen nicht die Zähne ausbeißen wollt. Um wirklich an euren Nerven zu nagen, wurden Anima-Kristalle in den Leveln verteilt. Diese werden benötigt um weitere Spielabschnitte freizuschalten und um einen Level mit 100% abzuschließen – für wahre Rätselexperten ein Muss. Der einfache Einstieg in das Spiel und die stetig steigende Lernkurve für die neuen Inhalte ist sehr gut abgestimmt und erlaubt es die Feinheiten eines Objektes genau kennen zu lernen. Das ist auch dringend notwendig, um die noch anspruchsvollere Level zu meistern. Dabei seid ihr auf eure Kombinationsgabe und Logik angewiesen, denn vom Spiel selbst erhaltet ihr kaum Hilfe für die Rätsel. Lediglich eine Pause-Taste und eine Zurück-Taste erleichtern euch die Lösungssuche. Mit Hilfe der Pause-Taste könnt ihr das gesamte Spielgeschehen anhalten und euren nächsten Zug planen, sowie Blöcke platzieren ohne dass sich die Mäuse und Robotermäuse weiterbewegen. Mit der Zurück-Taste könnt ihr eure letzte Aktion und dazwischenliegende Bewegungen und Veränderungen der Umgebung ungeschehen machen. Beide Tasten sind dabei sehr nützlich. Gerade wenn Blöcke unter Zeitdruck oder genau platziert werden müssen, um tote Mäuse zu vermeiden oder tote Robotermäuse zu produzieren. Auch wenn euch ein kleiner Ausrutscher geschieht müsst ihr so nicht den gesamten Level neustarten, sondern könnt einfach den Fehler rückgängig machen und es erneut versuchen. Schließlich könnt ihr die Spielgeschwindigkeit einfach im Level erhöhen und so recht zügig ein Level beenden. Insgesamt ist die Spielmechanik sehr gut gelungen. Jedes Level kann durch nachdenken und probieren gelöst werden. Je nachdem wie schnell dies gelingt und wie schnell ihr die Anima-Splitter sammelt kommt ihr dabei auf eine Spielzeit zwischen fünf und neun Stunden.

Ist die Katze aus dem Haus tanzen die Mäuse auf dem Tisch

Neben dem Storymodus bietet MouseCraft einen eigenen Leveleditor. Ein eigenes Level zu erstellen, ist recht einfach gestaltet. Die gewünschten Teile werden einfach auf den Bildschirm gezogen und platziert. Einziger Nachteil ist die Höhenbegrenzung des Levels. Riesige Level sind nicht generierbar, da die Höhe des Levels doch auf die Bildschirmgröße reduziert bleibt. Das ist schade, da so die Kreativität eingeschränkt wird. Ihr könnt dabei aus allen im Spiel verfügbaren Gegenständen wählen, schon von Anfang an. Grundsätzlich sind eurer Kreativität keine Grenzen gesetzt. Die erstellten Level könnt ihr dann speichern und immer wieder spielen. Das ist auch sehr gut gelungen und bringt Spaß. Der größte Nachteil am Editor ist, dass ihr die Level nicht online teilen könnt. Sie sind nur auf dem ursprünglichen System spielbar. Hier verschenkt das Spiel einiges an Potential. Alles in allem ist der Leveleditor ganz nett, er kann aber nur kurzzeitig motivieren, da die eigenen Level doch leichter lösbar sind, als die von anderen Spielern.

Mit Speck fängt man Mäuse

MouseCraft stellt sich als grafisch sehr solide dar. Die Konturen sind ebenso deutlich wie die Farben. Auch wenn es insgesamt wenig auffällige grafische Leistungen in diesem Spiel gibt, so sind die vorhandenen Elemente sehr gut umgesetzt worden. Die Animationen sind klar und passend für die Zeichenart des Spiels ausgelegt. Es bietet nicht nur eine, der Labor- und Experimentsituation angepasste, schlüssige Darstellung, sondern überzeugt auch durch den störungsfreien Ablauf, selbst bei Einsatz aller Reaktionsmöglichkeiten auf dem Bildschirm. Auch wenn hier nicht das Optimum aus der Vita herausgeholt wurde, so ist die quirlige Grafik ein wahrer Pluspunkt. Leider ist Curve Studios ihr Sound entwischt. Während den Leveln könnt ihr euch ganz auf das Rätsel selbst konzentrieren, denn ihr spielt in absoluter Stille. Der Hintergrund ist sogar mucksmäuschenstill. Nur die Geräusche der auf dem Feld befindlichen Gegenstände sind noch zu hören. Einerseits ganz nett, wenn man sich wegen der Musik nicht konzentrieren kann, dafür könnte aber auch der Lautsprecher der Vita runter reguliert werden. Die sonstigen Soundeffekte sind gut gelungen und passen auch zu der angesprochenen quirligen Grafik.

MouseCraft stellt sich als guter Vertreter seiner Art dar. Insbesondere der Schwierigkeitsgrad und die weitere Lernkurve sind sehr gut gewählt und umgesetzt. Jedes neue Teil wird sehr gut eingeführt und kann deshalb auch in schwierigeren Level problemfrei verwendet werden. Der Leveleditor ist sehr gut, vermag aber nicht auf Dauer zu überzeugen, da keine Level mit anderen Spielern geteilt werden können. Desweiteren führt das Fehlen von Musik in den Leveln zu Eintönigkeit, was Ambiente betrifft. Das sonstige Geschehen ist dafür grafisch gut betont und läuft einwandfrei.

Für all diejenigen, die noch kein gutes Rätselspiel für die Vita gefunden haben ist MouseCraft einen genaueren Blick wert. Wer dazu noch gerne viele eigene Rätsel erstellen möchte und sich nicht an mangelnder Internetfunktion stört, der sollte bei MouseCraft zuschlagen.

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