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Test – Lone Survivor

Test – Lone Survivor

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24.09.2013 – Test

Noch ist das Horror-Genre auf der PS Vita rar besetzt. Mit Lone Survivor erweitert sich die Palette um ein weiteres Spiel. Ursprünglich von Jasper Bryne entwickelt, haben sich die Jungs von Curve Studios an den Port gemacht und gleichzeitig einige Verbesserungen und Features in ihrer „Directure’s Cut“-Edition eingebaut. Ab dem 25. September steht das Horror-Adventure im PSN Store für 12,99 inklusive Cross-Buy zur Verfügung. Wir haben unsere Psyche unter Beweis gestellt und sagen euch, was der Gruselschocker zu bieten hat.

Der letzte Überlebende

Ihr schlüpft in die Rolle eines namenlosen Protagonisten, der sich in einer völlig zerstörten und von Monstern heimgesuchten Stadt wiederfindet. Völlig unwissend über das, was passiert ist, wacht ihr alleine in eurer Wohnung auf. Von der Angst besessen der letzte Überlebende zu sein, macht ihr euch nun auf die Suche nach weiteren Menschen – und versucht selber in diesem Alptraum zu überleben.

Konkret bedeutet Überleben für euch das Suchen nach Lebensmitteln oder Essbaren (Katzenfutter oder vergammeltes Fleisch gehören dazu), sich vor Monster schützen, indem man Ihnen entweder aus dem Weg geht oder sie mit der Pistole abknallt, einen klaren Kopf bewahrt und ausgeruht ist. Sämtliches Proviant ist selbstverständlich so knapp wie möglich gehalten. Als vermeintlich einziger Überlebender ist eure Psyche alles andere als stabil, jede Handlung hat deshalb großen Einfluss auf sie. So erfreut sich der Lone Survivor schon daran, wenn er kochen kann, GameBoy spielt oder mit einem Plüschtier redet. Wie ihr letztendlich euren Weg bestreitet, liegt bei euch. Egal ob als Rambo oder Ninja, normal oder verrückt, welche Dinge ihr besucht oder nicht – alles ist möglich und mündet jeweils auch in ein anderes Ende. In einer Statistik bekommt ihr dann eure komplette Handlung erzählt. Welche der fünf Enden ihr dann bekommt, entscheidet euer Handeln. Man kommt daher nicht um das mehrmalige Spielen herum.

Eine Spur von Silent Hill

Die Atmosphäre spielt bei einem Horror-Spiel natürlich eine übergeordnete Rolle. Und hier bedient sich Jasper Bryne großzügig an dem Horror-Klassiker Silent Hill. Angefangen bei den Texturen, die trotz der zweidimensionalen und sehr verpixelten Darstellung nicht an Charm verloren hat. So bekommt ihr meist in verdunkelten Räumen und Kellergewölben Leichen, Kadaver, allerlei Zeichnungen, lebendige Wände und alienartige Wesen zu sehen. Das komplette Spiel ist sehr minimalistisch gehalten, was sich sowohl in der Auflösung, in der Spielzeit, der Anzahl der Details sowie dem Gameplay bemerkbar macht. Dennoch wirkt alles sehr genau durchdacht, stets ein Ziel verfolgend, um den Spieler in etwas Neues hinein zu schubsen. Hauptbestandteil ist eure Taschenlampe, mit der ihr dunkle Flecken ausleuchten und so neue Sachen oder Türen finden könnt. So toll die Lampe auch ist, hat sie doch zwei Haken: 1. Sie verbraucht Strom, das heißt, ihr müsst Batterien finden und 2. Lockt sie die Aliens an. Es soll also wohl überlegt sein, wann ihr sie einsetzt. Nicht selten werdet ihr von einem dieser Monster im Dunklen überrascht, weil ihr gerade in diesem Flur das Licht sparen wollt. Wollt ihr an sie vorbei, müsst ihr euch entweder an über ein Kule in der Wand vorbeischleichen, sie mit der knappen Munition erschießen oder kurzzeitig mit Fackeln außer Gefecht setzen. Gesteigert wird das Ganze im Experten-Modus, in dem die Aktionsmöglichkeiten nicht mehr ausgeschildert werden und die Karte nicht mehr aufrufbar ist – ihr seid völlig auf euch allein gestellt. Der größte Kritikpunkt liegt allerdings im Level-Design. Aufgrund der 2D-Darstellung ist man auf rechts oder links für die Bewegungsrichtung angewiesen. Leider ist nicht immer klar, wann rechts nach rechts oder nach unten oder nach oben ist, man muss sich daher die Wege einprägen oder ständig auf die Karte gucken.

Der Soundtrack ist überragend. Beklemmende Geräusche, stetiges Herzrasen, schreiende Monster – es ist Schauder-Feeling vom Feinsten. Schon der Anfang des Spiels überrascht euch mit hilflosen schon fast verzweifelten Gitarrenklängen, die wunderbar komponiert sind. Zusammen mit den Texturen, den Zwischensequenzen und der Geschichte schafft man eine einzigartige Atmosphäre, die im Bereich des Horror-Genres ganz oben mitspielt.

Fazit: Lone Survivor überzeugt mit seiner minimalistischen Darstellung und der atemraubenden Atmosphäre. Wirkliche Schreckszenen gab es nicht und trotzdem schlug mein Herz durchgängig deutlich schneller. Die Anspannung war stets vorhanden, sei es dank der dunklen Passagen, dem hilflosen Umherlaufen oder der grotesken Musik. Am Ende stand ich einfach nur da. „Wie? Das war’s jetzt?“ Ich war enttäuscht, überrascht aber vor allem verwirrt. Lone Survivor hatte bei mir etwas ausgelöst, was ich schon seit langem nicht mehr hatte: Ich dachte nach. Über das Spiel, seine Geschichte, mein Handeln und die Sachen, denen ich begegnet bin. Doch verstanden habe ich es auch beim 2. Spieldurchgang nicht. Ein sehr komisches Gefühl. Und genau das will das Spiel auch bezwecken. Parallelen zum Horror-Klassiker Silent Hill sind unverkennbar. Da ist es verschmerzbar, dass das Abenteuer bereits nach weniger als 3 Stunden durch ist.

Lone Survivor ist ein Spiel, welches einlädt, mehrmals gespielt und gründlich erforscht zu werden. Horror gibt es genug, die heimische Kulisse ist jedoch sehr wichtig. Spielen im Hellen wird daher nicht empfohlen. Die PS Vita ist die perfekte Plattform: klein, handlich und man kann sich ganz allein im Bett mit Kopfhörer dem Spektakel hingeben. Das Spiel selbst kann ich uneingeschränkt empfehlen. Lone Survivor ist eine Erfahrung, die jeder Mal machen sollte!

Lars Leidenschaftlicher Gamer, Ehemann und IT-Berater. Liebt seine PS Vita, seinen Hund und Wordpress. Seit 2011 Redakteur und seit 2013 Administrator und Webmaster von yourPSVita.

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