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Test – Hotline Miami 2: Wrong Number

Test – Hotline Miami 2: Wrong Number

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Positiv
76% - 81%

Unser erster Eindruck war

Unsere Bewertung

14.12.2015 – Test 

Hotline Miami gehört zu einem der erfolgreichsten Spiele in den letzten Jahren. Dennaton Games gelang ein Geniestreich, das Wahnsinn mit packenden Gameplay verbindet. Nun folgt der zweite Teil mit dem Title Hotline Miami 2: Wrong Number. Auch hier übernimmt Devolver Digital das Publishing, das das Spiel am 11. März diesen Jahres ins PSN gebracht hat. Wir haben den Anrufbeantworter abgehört und sagen euch, ob es an den Erfolgen seines Vorgängers anknüpfen kann.

Der Wahnsinn ist zurück!

Es beginnt Hotline Miami typisch: Völlig absurd und verrückt. Im Tutorial bekommt ihr einen Filmausschnitt von „Miami Animal“, das einen verrückt gewordenen Typen zeigt, der quasi die Geschehnisse aus dem ersten Teil spielt. Gleichzeitig dient es als kurzes Tutorial, bei dem ihr die Steuerung erklärt bekommt: Laufen und Zielen mit den Analogsticks, Schießen und Schlagen mit der rechten, Aufsammeln und Werfen mit der linken Schultertaste, X-Taste für ein Finish für bewusstlose Feinde. Mit dem Touchscreen lässt sich ein größerer Radius vom Level anschauen. In den ersten Minuten durfte ich schon verschiedene Charaktere spielen, die aktuell noch keine Verbindung zueinander zeigen. Darunter befinden sich der Schauspieler, ein Polizist, ein Buchautor, ein Soldat sowie die für den Teil berühmte Gang mit den Tiermasken. Je nach Spielertyp gibt es ein anderes Motiv für die Schlachterei: Langeweile, Rache oder zum Bespiel Psychose.

Altbewährtes

An der Spielmechanik wurde nichts verändert. Ihr müsst weiterhin das Level, in dem Fall eine Szene, von allen Gegnern befreien, in dem ihr sie entweder mit einer Handwaffe wie Messer, Baseballschläger oder einem Rohr oder mit einer Feuerwaffe erledigt. Je nach Waffentyp gibt es unterschiedliche Punkte, die man bei kurz darauffolgenden Tötungen mit dem ansteigenden Kombozähler deutlich erhöhen kann. Am Ende gibt es dann eine Bewertung, wie schnell, brutal, effektiv und flexibel ihr bei eurem Amoklauf wart. Je höher die ergatterte Punktezahl, desto höher natürlich auch die Schulnote am Ende. Durch diesen imaginären Druck ist das Spielerlebnis natürlich schnell, unbarmherzig und absolut süchtig machend, weil ihr sofort wieder loslegen könnt, falls es euch mal erwischt hat. Der Schwierigkeitsgrad ist bislang moderat; Veteranen brauchen nur kurz, um sich in das Spielgeschehen einzugewöhnen. Es ist jedoch schon komisch, dass bislang nichts Neues in dieser Richtung hinzugekommen ist.

Neue Beats

Was bei der Spielmechanik komisch ist, ist bei der Atmosphäre absolut in Ordnung. Denn hier vertraut Dennaton Games auf die typische Hotline Miami-Kulisse. Die Vogelperspektive wird mit detailreichen Leveln und natürlich jede Menge Blut ergänzt. Im Hintergrund haben wir einen leuchtenden Farbwechsel, der zusammen mit dem leicht schwenkenden Bild ein leicht schummeriges, benebeltes Gefühl auslöst – so als hätte man selber Drogen genommen. Natürlich nur im positiven Sinne, denn zusammen mit dem elektronischen Soundtrack, der wieder einmal exzellent zum Spiel passt, bekommt das Spiel den verrückten, besessenen und mit Adrenalin verpackten Moment. Zwar gibt es in den Optionen einen Schalter, mit dem man die gewalttätigen Szenen ausstellen kann. Für schwache Nerven und den jüngeren Spielern ist Hotline Miami 2 jedoch nichts.

Zwischenfazit: Hotline Miami ist zurück und fängt da an, wo es aufgehört hat: Bei adrenalingeladener Action. In den ersten Szenen des „Films“ kamen wieder sofort die Suchtgefühle hoch, das Spiel heute noch durchzuspielen, geschuldet durch die intuitive Steuerung und dem risikoreichen Punktesystem. Die verrückt-blutige Atmosphäre mit dem wiedermal genialen Soundtrack ist ebenso an Bord wie die präzise Spielmechanik. Die bislang einzige Neuerung, die mir untergekommen ist, sind die verschiedenen Charaktere, die sich spielen lassen. Hier muss Dennaton Games aufpassen, ihren glorreichen Vorgänger schlichtweg zu kopieren. Auch wenn das Altbewährte sehr gut ist, ist das noch lange kein Kaufargument für das Neue. Bis dahin bleibt mein erster Eindruck jedoch äußerst positiv.

Nach guten 6 Stunden des Wahnsinns habe ich den ersten Teil des Spiels geschafft. Geblieben ist der Hard-Modus sowie die Trophäen, die diejenigen herausfordern, die meinen das Spiel zu beherrschen. Ob ich einen Knacks wegbekommen habe, lest ihr jetzt.

Genug Inhalt

Wie gesagt wartet noch jede Menge Inhalt auf einen, sobald man die 24 Level aufgeteilt in 6 Akte des Films geschafft hat. Jedes dieser Szenen hat seine Einführung und einen kurzen Abspann, bei der man geschichtliche Details erfährt. Die Trophäenliste ist dank dem Hard-Modus um einiges schwieriger als beim Vorgänger, ebenso die Schulnote A+ in jedem Level zu sammeln. Gott sei Dank ist es nicht das „S“, da der Schwierigkeitsgrad im gesamten Spiel hinsichtlich der längsten Kombokette und damit der meisten Punkte sehr schwankt. Jedes Level hat mindestens einen definierten Weg, den ihr herausfinden und dann meistern müsst, um den Highscore zu erreichen – definitiv keine Aufgabe für Ungeduldige, auch wenn sich das Spielprinzip förmlich dazu anbietet.

Was gibt es Neues?

Denn bei der Spielmechanik hat sich nicht allzu viel getan: Man ballert oder schlägt sich weiterhin durch die Gegnermassen und versucht, den größtmöglichen Punktestand zu ergattern. Wie in der Vorschau schon beschrieben wechselt ihr quasi nach jedem Level den Charakter, welche jeder für sich eine eigene Besonderheit hat: Bei der Maskenclique könnt ihr die altbekannten Masken wählen – und spielt jeweils die entsprechende Person, oder auch zwei. Das bringt zwar einen frischen Wind mit, ist aber deutlich zu wenig, um als glorreiche Neuerung gefeiert zu werden. Hotline Miami 2 spielt sich exakt wie der Vorgänger, hat beim Leveldesign aber etwas an Raffinesse und Länge gewonnen, fertig.

Was geht hier ab?

Hinzu kommt, dass man zwischen den Charakteren auch nach dem Durchspielen noch keine Verbindung herstellen kann und daher vor vollendeten Tatsachen steht, warum das Spiel zwischen 60er, 80er und 90er wechselt. Dieses große Fragezeichen ist von Dennaton Games mit Absicht geschrieben, denn jede einzelne Geschichte findet trotzdem ihr eigenes Ende. Und lenkt von der Tatsache ab, dass man 6 Stunden immer nur das Gleiche macht und sieht. Hier und da wechselt nämlich auch der Ort des Geschehens: Mal ist es ein Urwald, mal ist es ein Schiff, öfter aber ist es das klassische Haus. Absolut löblich ist, dass Dennaton Games hier weiter mit Liebe zum Detail gearbeitet haben. Jedes eingefügte Objekt hat seinen definierten Platz und gibt zu dem großen Ganzen seinen wichtigen Teil zu der lebendigen Atmosphäre bei – trotz der Vogelperspektive. Ebenso löblich ist es, dass Hotline Miami 2 mit deutschen Texten daher kommt, wenn auch nicht überall konsequent durchgesetzt. Die wichtigen Dialoge sind dennoch authentisch geschrieben und vermitteln nicht das Gefühl, Inhalte oder Witz zu verpassen.

Minuspunkt

Eine Sache gibt es dann doch noch gegenüber dem Vorgänger zu erwähnen. Obwohl das Spiel durchweg in einem absolut flüssigen Bild und gutaufgelösten Detailgrad arbeitet, ist mir Hotline Miami 2 öfters komplett abgestürzt, ohne ersichtlichen Grund meist aber nach meinem Tod. Glücklicherweise speichert das Spiel an jeder Stelle automatisch und auch die Level sind so kurz gehalten, dass man ohnehin nicht viel Inhalt nachspielen muss. Nervig ist es dennoch, da das Spiel beim Start doch länger braucht als beim Neuladen des Levels. Hier fehlt im Übrigen ein Neustart-Knopf, mit dem man nach der Punktezählung das Level neu anfangen kann. So muss man ständig in den Abspann, um via Start dann die „Kassette auszuwerfen“ und die Szene neu auszuwählen. Eine nervige Geschichte, bei den ganzen Wiederholungen, die man nach dem Spiel machen muss.

Fazit: Hotline Miami 2: Wrong Number nimmt das erfolgreiche Konzept des Vorgängers auf, verpasst es aber eigene Akzente zu setzen. Und bestätigt damit meine Befürchtung aus der Vorschau. Die verschiedenen Charaktere und das leicht verbesserte Leveldesign sind hierbei zu wenig. Dennoch: Den Spagat zwischen actionreichen Spiel, kurzweiligem Spaß und wahnsinnig-verrückten Atmosphäre gelingt Dennaton Games wieder einmal.

Wer Spaß mit Hotline Miami hatte, wird auch hier sein Geld richtig angelegt wissen. Nur sollte man zwischen den Käufen/Spielsessions eine großzügige Pause eingelegt werden, um nicht das Gefühl zu bekommen, ein Imitat zu spielen.

Lars Leidenschaftlicher Gamer, Ehemann und IT-Berater. Liebt seine PS Vita, seinen Hund und Wordpress. Seit 2011 Redakteur und seit 2013 Administrator und Webmaster von yourPSVita.

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