Home Testberichte Test – Sword Art Online: Hollow Fragment
Test – Sword Art Online: Hollow Fragment

Test – Sword Art Online: Hollow Fragment

2

07.10.2014

Ursprünglich als Light-Novel begonnen, kann sich Sword Art Online mittlerweile großer Beliebtheit erfreuen. Mit Umsetzungen als Manga und Anime hat sich dieser Trend auch in den Westen ausgebreitet. In Sachen Spiele haben sich nur wenige Entwickler überhaupt an ein solch Komplexes Thema herangewagt. Bandai Namco hatte einen erfolgreichen Versuch mit dem japanischen Spiel Sword Art Online: Infinity Moment gewagt und nun das Spiel mit mehr und neuem Inhalt erneut produziert und als „Hollow Fragment“ in den Westen gebracht. Ob das Spiel euch ein wahres Aincrad-Erlebnis bieten kann, erfahrt ihr bei uns im Test.

MMORPG offline?

Als Fan von SAO waren meine Erwartungen natürlich hoch. Besonders schwierig ist dabei wohl die Simulation des Onlinespiel-Erlebnisses. Dafür bedarf es nicht nur vieler NPCs, sondern auch die Simulation eines eigenständigen Lebens, ohne dass der Hauptcharakter daran beteiligt ist. Wichtig ist dabei ebenfalls der Einbau der Geschichte von Hollow Fragment nach dem Level 75 in Aincrad bereinigt wurde, da Sword Art Online hier ursprünglich geendet hat. Außerdem müsste eine angemessene Erklärung für das Auftreten einiger Charaktere geliefert werden, die eigentlich erst in späteren Story-Arks auftauchen. Natürlich bedarf der RPG-Aspekt des Spiels eines genaueren Blickes und muss das Herzstück bilden. Insbesondere der Ausbau der eigenen Fähigkeiten stellt ein großes Problem dar, da Kirito im Original bereits Level 100 erreicht hatte und daher seine Fähigkeiten sehr stark ausgeprägt waren, genau wie seine Ausrüstung. Dazu müssten das Assault Team und der Kampf mit den verschiedenen Freunden von Kirito realistisch zu der sehr freien Spielbarkeit im originalen SAO auch berücksichtigt werden.

Da wurde der Debugger vergessen

Das Spiel knüpft direkt an den finalen Kampf auf Level 75 an. Mit dem Sieg Kiritos sollten alle überlebenden Spieler ausgeloggt werden. Stattdessen treten immer stärker werdende Glitchs auf und das Portal zu Stufe 76 öffnet sich. Das Aussault Team geht durch dieses hindurch und findet neben einer neuen Stadt auch heraus, dass sie wegen eines Glitchs nicht mehr zurück können. Die einzige Möglichkeit dem Spiel zu entkommen ist es nun Level 100 zu erreichen und den finalen Boss zu besiegen. Kirito wird zudem in ein von Aincard abgetrenntes Gebiet teleportiert, zu dem nur wenige Spieler Zugang haben. Dort trifft er Philia, eine Spielerin, die einen orangenen Marker besitzt, ein Zeichen, dass sie einen Spieler getötet hat. Gemeinsam versuchen Kirito und Philia dem Geheimnis der Hollow Area auf den Grund zu gehen. Die Story ist sehr gut umgesetzt worden. Die Hollow Area kann von euch frei nach eurem Gutdünken erkundet werden. Sprecht ihr mit Philia stellt sie euch bestimmte Aufgaben, die den Storymodus in der Hollow Area darstellen. Gerade hier macht das Erkunden besonders viel Spaß, da die Areale abwechselnd gestaltet sind und die Grenzen nur stellenweise gesetzt wurden. Um diese Bereiche zu öffnen müsst ihr nur die Missionen von Philia erledigen oder die entsprechenden Schlüssel von Bossmonstern erhalten. Die Stockwerke in Aincard sind etwas anders aufgebaut. Das Zentrum bietet die entsprechende Stadt des Stockwerkes, von dem ihr in den äußeren Bereich gelangt. Die Bereiche sind alle unterschiedlich gestaltet, folgen aber immer dem gleichen Aufbauschema. Vom äußeren Bereich arbeitet ihr euch bis zum Boss vor. Erst mit dessen Tod gelangt ihr ein Stockwerk höher. Die beiden Storymodi sind sehr gut miteinander kombinierbar und das Spiel schreibt euch nicht vor, wann die Hollow Area beendet werden soll. Das Spiel bietet euch mit beiden Arealen und dem neusten Patch eine Spielzeit von 70 – 100 Stunden, je nachdem wie viel ihr auf Erkundungstour geht und euch um die anderen Nebenaspekte kümmert.

Teamwork ist entscheidend

Den Hauptteil des Spiels werdet ihr auf dem offenen Gelände Aincards oder der Hollow Area verbringen. Dabei werden euch verschiedene Gegner gegenübertreten. Einige sind eher passiverer Natur, greifen euch also nur an, wenn ihr sie angreift und andere greifen euch an, wenn ihr in ihrer Reichweite gesehen werdet. Die Kämpfe laufen dabei in Echtzeit ab. Für einfache Angriffe braucht ihr nichts weiter machen, als in der Nähe des Gegners zu stehen. Nach einer gewissen Zeit greift ihr dann automatisch an. Mit euren Burst- und SP-Punkten könnt ihr weitere Attacken einsetzen. Spezialangriffe verbrauchen dabei SP, die sich mit der Zeit regenerieren. Bei der großen Menge an unterschiedlichen Fähigkeiten ist es nicht nur notwendig zu wissen, welche Fähigkeiten ihr braucht, sondern auch wann ihr sie einsetzen könnt. Ähnlich verhält es sich mit den SP. Mit diesen könntet ihr lange und schmerzhafte Kombos generieren. Das gelingt euch nicht mit einer Hack n‘ Slash-Taktik, sondern nur durch das Einhalten eines bestimmten Rhythmus. Hollow Fragment gibt euch nur ein grundlegendes Tutorial. Solche Kampffähigkeiten sind aber nicht enthalten, ihr müsst sie selbst erlernen. Ein weiterer wichtiger Aspekt des Spiels ist Teamwork. Ihr könnt natürlich alleine die Welt von Aincard oder die Hollow Area durchstreifen, nur bei Bossen und Quests müsst ihr ein weiteres Teammitglied haben. Gerade gegen etwas stärkere Gegner ist es immer lohnenswert eine weitere Schadensquelle und Partner zu haben, der Schaden für euch auffängt. Dafür existiert die Switch-Funktion. Hiermit wechselt ihr die Frontreihe des Kampfes aus und der bisher vom Gegner attackierte Charakter wird durch den anderen geschützt, der vorerst weiter als Tank fungiert. Wenn ihr euch mit Begleitung in die Kämpfe stürzt werden diese für euch leichter, doch ist Vorsicht geboten: euer Partner darf ebenfalls nicht sterben. Von Zeit zu Zeit werden euch die Begleiter bitten bestimmte Aktionen durchzuführen. So sollt ihr manchmal einen Switch durchführen, den Gegner stunnen oder einen Skill einsetzen. Befolgt ihr den Befehl, so verbessert sich nicht nur die Beziehung zum jeweiligen Partner, sondern ihr erhaltet einen strategischen Vorteil, indem z.B. ein starker Kombinationsangriff ausgeführt wird. Auch bei einem Bosskampf müsst ihr auf das Zusammenspiel der verschiedenen Kämpfer und ihre HP achten. Zwar können diese NPCs straffrei sterben, weil es nur Gefangene des Spiels sind. Zudem wird das Team für die Bosskämpfe immer kleiner, je mehr Opfer ihr zu verzeichnen habt. Das Kampfsystem ist ziemlich vollgeladen und die Menge an Fähigkeiten nur schwierig überschaubar. Wenn man aber mal einen Überblick erlangt hat, funktioniert das Kampfsystem sehr gut und bietet viele unterschiedliche Spielweisen.

Home Sweet Home

Neben den Kämpfen gibt es noch eine Stadt zu erkunden. Dort läuft ein Großteil der anderen „Spieler“ umher. Die Zahl der NPCs ist in der Stadt immer sehr hoch. Dies gibt wirklich das Gefühl, dass es sich um ein MMO handelt. Die NPCs reagieren zwar auf einen Kommunikationsversuch, aber bereits nach drei bis fünf Versuchen antworten sie nicht mehr, da sie von eurem Verhalten entnervt wurden. Sonst finden sich in den Städten Läden, in denen neue Items gekauft werden können. Ihr könnt dabei zwischen Ausrüstung, Heil- und Buffitems wählen. Wer genügend Materialien von besiegten Feinden gesammelt hat, der kann sich in Lisbeth’s Schmiede neue Ausrüstung anfertigen oder bereits erhaltene Ausrüstung verbessern lassen kann. Je weiter ihr im Spiel kommt, desto besser werden ihre Schmiedekünste und die Waffen somit stärker. In der Stadt auf Stufe 75 könnt ihr nicht nur euer Zimmer in der Herberge besuchen, um zu speicher, sondern auch Zeit mit euren Freunden, mehr Freundinnen als Freunde, verbringen. Dazu könnt ihr eine Person in eine Gruppe einladen und mit ihr durch die Stadt spazieren. Dabei tauchen über ihrem Kopf gelbe Dialogblasen auf. Wenn ihr dann mit ihnen redet erhaltet ihr eine Chance die Beziehung zu dem Charakter zu verbessern. Dafür müsst ihr nur einfach eine von zwei Tasten drücken. Die Eine ruft eine stark positive Reaktion Kiritos und die andere eine eher verhaltene oder zurückhaltende Reaktion hervor. Je nachdem wie angemessen es der Gesprächspartner fand, steigt der Harmoniebalken stark, schwach oder gar nicht. Sollte bis zum Ende des Gesprächs, zwei- bis dreimal meist derselbe Text, der Harmoniebalken voll sein, so steigt nicht nur die Beziehung zum Charakter, sondern auch seine Laune. Diese wird in verschiedenen Leveln dargestellt. Die Level werden kurz nach Ende der Gruppe wieder zurückgesetzt. Je höher der Level, desto mehr andere Aktionen könnt ihr durchführen. Angefangen vom Händchen halten bis hin zum „Bridal Carry“. Letzteres ruft eine besondere Aktion auf, wenn ihr die Damen oder den einen Herren in euer Zimemr schleppt ohne gesehen zu werden. Bringt ihr den Charakter dann zum Bett beginnt ein Gespräch. Solltet ihr hier den Harmoniebalken füllen erhaltet ihr eine Zwischensequenz, in der sich die Charaktere unterhalten und das Gruppenmitglied bei Kirito übernachtet. Dies steigert eure Beziehung stärker als andere Aktionen. Wozu die Beziehungen überhaupt verbessern ist da die offensichtliche Frage. Neben der Tatsache, dass man etwas mehr über die Charaktere und ihre Einstellung zueinander, der Situation oder Kirito gegenüber erfährt, verbessern sich die kämpferischen Fähigkeiten der Begleitungen. Gerade bei den Bosskämpfen eine wahre Hilfe. Die Dialoge mit den Charakteren versucht den Flair des Animes aufzugreifen, dies gelingt ihm leider nur mittelmäßig. Gerade die besonderen Charaktermissionen, die ihr beim alleinigen Erkunden der Gebiete aktiviert, machen dies deutlich besser. Meistens dreht sich das Gespräch um Kirito’s persönlichen Harem, bei denen die Damen versuchen viel Zeit mit Kirito zu verbringen. Dieser ist, schon eigentlich für den Anime überraschend, sich seiner Situation sehr wohl bewusst und reagiert eigentlich gar nicht größer auf den Aufbau seines Harems. Viel mehr pflegt er eine gute Beziehung zu allen. Das Erfüllen der Anfragen in den Kämpfen und das eingestreute Lob von Kirito verbessern die Beziehung zum Gruppenmitglied, aber der Dialog wirkt hier etwas unpassend.

Time for some deep Penetration

Die Dialoge und Texte sind eigentlich das größte Problem in SOA:HF. Neben ein paar Rechtschreibfehlern, die sich hier und dort mal eingeschlichen haben, ist das Hauptproblem eine stellenweise grenzwertige Übersetzung ins Englische. Insbesondere nervig: an jeder möglichen Stelle wurde das Wort „penetration“ verwendet. Das mag bei dem ersten Auftritt noch ganz lustig sein, schlägt dann doch in ein störendes Element um. Zu meiner Überraschung stört es jedoch mittlerweile wieder so wenig, dass ich wieder darüber schmunzeln kann. Auch die angesprochenen Dialoge in der Stadt oder im Kampf sind zeitweise nur noch unpassend und nicht aufeinander abgestimmt. Das reduziert die eigentlich vielfältigeren Charaktere doch sehr stark auf bestimmte Aspekte. Wenn wir gerade bei ärgerlichen Aspekten sind. Leider wurde bei der Veröffentlichung nicht auf das westliche Kontrollschema umgestellt und die Bestätigungstaste ist der Kreis statt dem X. Hierbei handelt es sich nach meinem Verständnis um kleinere Macken, die das Gesamtpaket nur unwesentlich verschlechtern.

Online-Teamwork

Der Teamwork-Aspekt des Spiels wurde zwar schon behandelt, die Elemente ändern sich aber etwas mit dem Multiplayer. Während eure treuen Begleiter sich sehr um euer Wohlergehen sorgen und diese fast garantiert vor euch sterben werden, müsst ihr im Multiplayer auf euch und euer Team Acht geben. Das Spiel wird dadurch wesentlich einfacher, insbesondere wenn ihr mit einem auf Tank spezialisierten Mitspieler unterwegs seid. Im Multiplayer könnt ihr somit einfach schwierige Aufgabe zusammen erledigen. Zum Multiplayer bleibt eigentlich nicht viel zu sagen. Er ist sehr gut gelungen und bringt viel Spaß mit sich, gleichzeitig macht das Spiel auch im Singleplayer-Modus sehr viel Spaß.

Musik und Grafik

Grafisch bietet Hollow Fragment euch einige wirklich schöne Szenerien, die sich zwar ab und an mal wiederholen, die aber geschickt als Design des MMOs abgestempelt werden können. Die Animationen sind alle sauber ausgearbeitet und grafische Fehler konnte ich eigentlich entdecken. Doch ein wirklich großer Aspekt sind nur die Bossmonster, die interessant und unterschiedlich gestalten wurden. Zum Thema musikalische Untermalung bleibt hier nicht viel zu sagen. Das Spiel hat Musik, die im Hintergrund läuft. Sie ist weder so gut noch schlecht, dass ich groß dazu etwas sagen könnte. Sie unterstreicht die Szenerie und bleibt sonst im Hintergrund.

Fazit: Sword Art Online: Hollow Fragment ist ein sehr solides RPG. Gerade sehr gut hat mir das Kampf- und Fähigkeitensystem gefallen, die sehr viele Spielweisen zulässt und Belohnungen bereit hält, wenn der Spieler das System dahinter versteht und erlernt. Die Storyelemente des Spiels haben mir sehr gut gefallen, auch wenn es hier an Erklärungen für das Auftauchen bestimmter Charaktere fehlt. Die Umsetzung der NPCs im MMO-Stil sind gut gelungen, insbesondere die große Zahl an Mitspielern, die keine bis nur eine geringe Verbindung zu Kirito haben. Grundsätzlich wurden auch die Nebencharaktere sehr ansprechend und anlehnend an ihre Originalcharaktere gestaltet, leider sind nicht immer alle Charakterzüge sichtbar und teilweise werden sie auf ihren Beziehungswunsch zu Kirito reduziert. Das verspielt etwas Potenzial bei Neueinsteigern. Fans des Anime oder der Light Novels bzw. den Mangaumsetzungen werden dennoch die alten Charaktere wiedererkennen. Die Umsetzung in das MMO-Klima ist wirklich klasse gelungen, wobei ich mir nicht sicher bin, ob die Elemente dieses Gefühls, wie Wiederholung von Gegenden und Gegnern, auch wirklich so geplant war. Etwas ärgerlich bleiben die angesprochenen Fehler und die flachen Dialoge. Für die ca. 70 – 100 Stunden Spielzeit zahlt ihr 39,99 €. Die sind meines Erachtens bereits recht gut in die Geschichte und dem Kampfsystem investiert. Für Neueinsteiger wäre die erstbeste Rabattaktion aber schon ein guter Grund sich mit einem technisch guten RPG auszustatten.

Sword Art Online: Hollow Fragment ist gerade für Fans der Serie ein schöner Titel, da er eine interessante Variante der Story erzählt, die so hätte passieren können. Für absolute SAO-Neulinge wird das Spiel wohl eher wegen seinem guten Kampf- und Skillsystem eine Überlegung wert sein.

2
Hinterlasse einen Kommentar

avatar
1 Kommentar Themen
1 Themen Antworten
0 Follower
 
Kommentar, auf das am meisten reagiert wurde
Beliebtestes Kommentar Thema
2 Kommentatoren
Thomasheubergen Letzte Kommentartoren
  Abonnieren  
neueste älteste meiste Bewertungen
Benachrichtige mich bei
heubergen
Gast

Guten Testbericht, irgendwie hab ich aber das Gefühl das Serienneulinge die das Spiel kaufen wollen, beim Text nicht immer draus kommen^^
Wer ist das Aussault Team? Was ist Aincard? Was ist die Hollow Area?

Ausserdem würde es mich persönlich noch interessieren ab wann denn Hollow Fragment beginnt und wo Infinity Moment aufhört. Ich hab gehört, dass HF erst nach der Stage 100 beginnt.

In den ersten zehn Stunden sind die Kämpfe mega einfach, denke aber dass das noch anziehen wird.