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Test – Legends of War

Test – Legends of War

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15.05.2013 – Test

Mit Legends of War bringt der History Channel zusammen mit dem Publisher und Entwickler Slitherine das erste rundenbasierte Strategiespiel auf die PS Vita. Wir haben uns in die Schlacht gestürzt und zeigen, ob der Griff zur Geschichte sich tatsächlich lohnt.

Der 2.Weltkrieg

Das Spiel spielt im 2. Weltkrieg – einem Setting, welches auf der jungen PS Vita noch nicht gibt. Ihr schlüpft dabei in die Rolle des amerikanischen Generals George S. Patton. Ein Held, welcher die amerikanischen Streitkräfte erfolgreich durch das nationalistische Deutschland führte. Es liegt nun bei euch, die historischen Operationen mit eurer Armee erneut zu durchlaufen und den Krieg ein für alle Mal zu beenden.

Insgesamt müssen 21 Missionen aufgeteilt auf vier Operationen durchlaufen werden. Das Ganze geht über vier unterschiedliche Spielmodi: Angriff, Verteidigung, Sabotage und Infiltration. Während ihr in Angriff alle gegnerischen Einheiten zerstören müsst, habt ihr in Verteidigung die Aufgabe, eine bestimmte Anzahl an Spielrunden zu überleben oder wichtige Personen zu eskortieren. Sabotage und Infiltration sind zum größten Teil gleich. In beiden Modi müsst ihr diverse Gegenstände sammeln/platzieren/erreichen. Der Unterschied liegt beim Gegner. Bei letzteres seid ihr in einem Tarn-Modus und müsst an eure Gegner vorbeischleichen. Ersteres ist eine offene Schlacht meist mit beschränkten Mitteln. Die Umsetzung mit den verschiedenen Modi ist ein guter Ansatz, der leider nicht konsequent durchgezogen wurde. So verhält es sich im späteren Verlauf mit einem stark aufgerüstetem Heer mit jeder Mission gleich: Laufen, Schießen, Verstecken, Schießen, Laufen. Über die so schon recht wenigen Missionen wird einem keine wirkliche Abwechslung geboten. Den Handlungsstrang geht ihr dabei chronologisch jedes wichtige Ereignis des 2. Weltkrieges durch: Die Tage nach der Eroberung der Normandie, die Befreiung Paris und der Einfall in Deutschland. Leider verzichtet Slitherine komplett auf die Eroberung Deutschlands samt dem endgültigen Sieg gegen die Nationalsozialisten.

Stillgestanden, Soldaten!

Das Gameplay ist klassisch an ein rundenbasiertes Strategiespiel aufgebaut. Ihr besitzt eine gewisse Anzahl von Einheiten (max. neun), welche ihr wie auf einem Schachbrett positioniert und attackieren lassen könnt. Eure Armee besteht dabei aus diversen Soldaten und Fahrzeugen wie z.B. Scharfschützen, Fallschirmjägern, Bazooka, Ärzten, Panzern, Artillerie-Geschossen und Flugzeugen. Jede Einheit besitzt ihre eigenen Eigenschaften: Genauigkeit, Angriffsstärke, Anzahl Leben, Waffe, Munition, Sichtweise, Anzahl der Schritte. Gleichzeitig verbindet man diese Eigenschaften mit einem Erfahrungssystem. Je mehr Erfahrung eine Einheit gewinnt, desto selbstsicherer wird sie. Entsprechende Fähigkeiten werden dann verbessert. Ganz im Sinne von der Medal of Honor werden auch hier Medaillen für besonders effektive Einheiten vergeben. Diese haben ebenfalls Einfluss auf die Person bzw. das Fahrzeug. Mit dieser simplen und doch effektiven Methode erreicht der Hersteller, dass man nicht blind in die nächste Schlacht läuft, sondern seine Truppe intensiv vorbereiten auch wirklich strategisch vorgehen muss.

Wie bereits erwähnt könnt ihr eure Einheiten nur soweit bewegen, wie sie Bewegungspunkte hat. Euer Aktions- bzw. Schießradius ist so groß, wie ihr sehen könnt. Scharfschützen können dementsprechend weiter und auf große Distanz genauer schießen, während der einfache Infanterist mit seinem Gewehr eine relativ starke Streuung hat. Eine Ausnahme bilden Raketengeschosse. Die können auch über das Sichtfeld hinaus ins Blinde geschossen werden – mit ein bisschen Glück oder dem genauen Wissen dank wiederholtem Spiel lassen sich so gezielt gegnerische Panzer ausschalten. Die Anzahl der Munition und Schüsse hängen jedoch von den Pattons Skills ab. Dazu später mehr. Zusätzlich besitzt jede Einheit eine Overwatch-Zone, die je nach Waffe variiert. Solltet ihr in eurem Zug eure Schüsse nicht aufgebraucht haben und bewegt sich euer Gegner innerhalb dieser Zone, kontert ihr seine Bewegung mit einer Salve aus eurer Waffe. Mehr wird dann leider auch nicht geboten. Auch hier stellt sich daher schon nach kurzer Eingewöhnungszeit Monotonie ein: Einheit auswählen, positionieren, schießen. Spezielle Aufrüstungen der Einheiten, so wie es die Erfahrungspunkte außerhalb des Levels machen, sucht man leider vergebens. Jedoch bietet das Spiel löblicherweise fünf Schwierigkeitsgrade an, die das KI Verhalten ungemein beeinflusst.

Nach jeder Mission erscheint die Missionsstatistik, in der ausgewertet wird, wie gut ihr euch geschlagen habt. Die Anzahl der benötigten Züge gibt Aufschluss darüber, was für einen Sieg ihr eingefahren habt: Je kleiner die Zahl ist, desto ruhmreicher euer Sieg. Davon abhängig erhaltet ihr Prestige und Skillpoints. Letzteres wird für Patton selbst benötigt, um seine Fähigkeiten und damit die eurer Truppe hinsichtlich Angriffsstärke, Leben oder Anzahl der Schüsse zu steigern. Ersteres stellt die Ingame-Währung dar. Mit den Prestige-Punkten werden neue Einheiten rekrutiert. Bessere Einheiten oder Fahrzeuge brauchen natürlich mehr Punkte. Auch hier steht ihr im Konflikt, ob man nicht lieber eine neue Einheit rekrutiert oder die alten heilt bzw. ersetzt. Über das ganze Spiel hinweg seid ihr davon abhängig, dementsprechend müssen die Missionen auch geplant werden.

Die Steuerung fällt zusammen mit dem Spielinhalt simpel aus. Einzig die Kamerasteuerung braucht eine kurze Eingewöhnungszeit, bevor auch diese intuitiv von Hand geht. Leider verzichtet man auf eine Einbindung jeglicher Vita-Features.

Achtung, Granate!

Technisch bietet dieser Titel absolute Magerkost. Trotz hoher Detaildichte wirkt die Grafik aufgrund der unscharfen und verpixelten Texturen alt. Auch die Effekte haben nur oberflächlichen Charakter. Die Karten sind dabei für ein Strategie-Spiel zu klein. Außerdem lassen diese an Variation zu wünschen übrig. Meist gestalten sich die Missionen auf derselben Karte nur mit anders platzierten Häusern und Objekten. Selten findet sich eine andere Atmosphäre. In dieselbe Kerbe schlägt auch der Soundtrack ein. Im Gegensatz zur Grafik wirkt dieser aufgrund der klassischen Trompeten- und Marschtöne authentisch, aber auch hier fehlt es an Abwechslung. Zu jeder Mission ein Lied, welches dann in einer Dauerschleife läuft, ist zu wenig. Hinzu kommen Motorengeräusche, die nicht ganz abgestimmt zu sein scheinen. Einzig die Ladezeiten können Punkten, die sehr kurz ausfallen. Störende Ruckler wurden keine festgestellt.

Neben dem Singleplayer-Modus hat man dem Spiel auch einen Multiplayer spendiert. Hier können an einer Konsole zwei Spieler alle durchgespielten Maps der Kampagne spielen. Hierbei geht es mit den Amerikanern gegen die Deutschen. Zu Beginn hat jeder eine große Menge an Prestige, die jeder für sein individuelles Team ausgeben kann. Haben beide nacheinander ihre Truppen zusammengespielt, wird abwechselnd gespielt. Dabei hat jeder Spieler seine eigene Sicht auf das Geschehen, spicken ist also nicht möglich. Deshalb ist an sich nichts an dem Multiplayer auszusetzen. Das Spielprinzip bleibt gleich. Viel interessanter wäre hier jedoch ein Online-Multiplayer, wo man absolut nichts über den Gegner und dessen Position weiß.

Fazit: Legends of War ist nicht das rundenbasierte Strategiespiel, welches sich alle Fans des Genres erhofft haben. Das Spielprinzip bietet zwar mit dem Erfahrungssystem und den eigenen Skills interessante Ansätze und sind aufgrund der geforderten taktischen Herangehensweise ein Lichtblick. Trotzdem leidet das Spiel aufgrund der fehlenden Alternativen, der abwechslungsarmen und kleinen Karten stark an Eintönigkeit. Hinzu kommen der zu kurze Spielumfang sowie der fehlende, geschichtliche Teil in Deutschland, was absolut unverständlich ist. Trotzdem muss man dem Spiel einen gewissen Reiz attestieren, der zumindest am Anfang stark an die Vita bindet. Grafisch und musikalisch wird man negativ überrascht. Anstatt von glatten, hochaufgelösten Texturen erhält man eine an der aktuellen Entwicklung vorbeigegangene Komposition. Die Steuerung ist gut und bedient sich nach kurzer Eingewöhnungszeit intuitiv, fraglich ist jedoch, warum auf die Vita-Features verzichtet wurde. Der Multiplayer ist eine gute Ergänzung zum Spiel und ist mit dem 2-Spieler-an-einer-Vita wohl das einzige Spiel dieser Art auf dem Markt. Nichtsdestotrotz hätte ein Online-Part noch mehr Anreize verschaffen können.

Für eine UVP von fast 40 Euro ist der Titel schlicht weg zu schlecht – selbst für eingefleischte Genre-Fans. Sollte der Preis sinken, können sich die Hardgesockenen den Kauf überlegen, ist es doch noch das einzige Spiel dieser Art auf dem Markt. Alle anderen müssen sich überlegen, ob ihnen der kurze Spielspaß mit der fehlenden Spieltiefe liegt oder ob sie doch lieber zu einem anderen Genre/Spiel greifen wollen.

Lars Leidenschaftlicher Gamer, Ehemann und IT-Berater. Liebt seine PS Vita, seinen Hund und Wordpress. Seit 2011 Redakteur und seit 2013 Administrator und Webmaster von yourPSVita.

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