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Test – Hatoful Boyfriend

Test – Hatoful Boyfriend

2
Positiv
68% - 77%

Unser erster Eindruck war

Unsere Bewertung

05.08.2015 – Test

Devolver Digital und Mediatonic haben wohl eines der seltsamsten Visual Novels auf die PS Vita gebracht: Hatoful Boyfriend. Das Spiel ist am 21.07.2015 in den Store geflattert, kurz nach der Ankündigung des neuen Nesthäkchens. Ob Hatoful Boyfriend seinen Horst erfolgreich verlassen hat, erfahrt ihr hier bei uns.

Turteltäubchen

Nach meinem ersten Ending beende ich die mehr als merkwürdige Fahrt in Hatoful Boyfriend mit einer gewissen Portion an Irritation. Das Spiel ist vom ersten Moment an, genau das was es verspricht: eine Visual Novel, in der ihr Vögel anstatt Menschen trefft. Ich habe mich schon sehr auf die PS Vita-Version gefreut, weil ich auch die PC-Version mit Freuden gespielt habe. Aber bis heute vermag ich die Frage nach dem Grund für mein Interesse an dem Spiel nur ungenügend zu beantworten.

In Hatoful Boyfriend spielt ihr ein junges Mädchen, welche ihr zweites Jahr in an der berühmten Schule St. Pigeonation verbringt. Ich weiß zwar warum, werde aber weiter dazu gar nichts sagen – vielleicht gebe ich noch einen kleinen Hinweis im eigentlichen Test. Die Zeitpanne des Spiels beträgt exakt ein Trimester an der Schule und ihr könnt, wie typisch für Visual Novels, an bestimmten Stellen Entscheidungen treffen, die den Spielverlauf beeinflussen. Für unerfahrene „Leser“ sei hier gesagt, dass die Entscheidungen von Hatoful Boyfriend die aktuelle Route sehr stark beeinflussen können. Mitten in einer Route könnt ihr jederzeit zu einer anderen springen und mit ausreichend „Flags“ das entsprechende Ending sehen.

Das Spiel ist so lust… oder auch nicht

Egal, ob ihr mit oder ohne menschliche Bilder spielt, nach der ersten Vorstellung seht ihr nur noch die Vögel. Überraschenderweise kenne ich bereits nach dem ersten Ende die Aussehen und Namen der Vögel. Etwas ärgerlich ist, dass die normalen Endings so ca. anderthalb bis zwei Stunden benötigen. Diese Kürze ist aber auch den vielen unterschiedlichen Szenarien und dem etwas eigenwilligen Humor des Spiels geschuldet. Der Vogelhumor täuscht aber nicht um einige mehr oder weniger bedrückende Punkte in den Szenarien hinweg. Die Probleme der Vögel sind definitiv nicht so banal, wie sie auf den ersten Blick scheinen und das Spiel versteckt sogar ein oder zwei „True“ Endings. Ich bin nur froh, bereits die PC-Version zu kennen, weswegen ich zumindest ungefähr weiß, wie ich alle Endings sehen kann. Für mich die größte Überraschung ist und bleibt bisher aber die Charakterisierung der Vögel. Jeder der Charaktere hat seine Eigenarten und Vorstellungen – ja es ist mir bewusst, dass ich über Vögel schreibe. Ärgerlicherweise hat man bereits nach dem ersten erreichten Ende eine ganze Menge an Dialogen gesehen. Wer diese danach überspringen möchte, kann mit der Dreieck-Taste den Dialog beschleunigen. Ich persönlich lese aber lieber den ganzen Dialog, weil mein Charakter ja jedes Mal eine neue Ausprägung annimmt.

Fast perfektes Ambiente

Die wahre Genialität von Hatoful Boyfriend offenbart sich erst in seiner Darstellung. Zwar sind die Textboxen, Datumseinzige und Menüführung einfach gehalten, aber der wahre Kernpunkt ist die Schul- und Vogelperspektive. Es ist Mediatonic wunderbar gelungen, einige interessante Gegensätze zu bilden. Die Welt selbst birgt kaum Unterschiede zu der realen Welt, aber überall wo man menschliche Abbilder, z.B. vor einem Spukhaus oder als Klassenkameraden, erwartet trifft man auf Vögel. Aber es sind nicht nur Tauben, auch Rebhühner und alles Mögliche an gefederten Freunden wandelt in der Weltgeschichte herum. Der Hauptcharakter stört sich daran nur wenig. Trotz der hohen Entwicklungsstufe der Vögel behalten sie aber ihre bekannten körperlichen Merkmale und haben sogar dieselbe Lebenserwartung. Begleitet wird euer Abenteuer von sehr schöner Musik. Auch wenn es insgesamt wenige Stücke gibt, liegt hier Qualität vor Quantität. Jeder Vogel hat sein eigene Thema, welches zumeist kurz nach seinem Auftritt beginnt. Wenn es mal nicht der Fall ist, so bleibt es bei der Standardmusik. Absolutes Highlight bleibt für mich aber die textliche Umsetzung, die es in den verschiedensten Ausführungen gibt. Ihr könnt zwischen Englisch, Deutsch, Französisch, Spanisch, Russisch, Japanisch und Italienisch wählen. Die Änderung betrifft alle Bildschirmtexte.

Zwischenfazit: Hatoful Boyfriend verdient definitiv den Titel einzigartig. Für eine Visual Novel hat es viele Endings, aber relativ wenige Entscheidungen. Diese bedeuten dafür aber umso mehr, welches Ende ihr zu sehen bekommt. Es ist sicherlich für einige Spieler untypisch die Rolle eines weiblichen Protagonisten einzunehmen, aber definitiv nicht so untypisch sich zu fragen, warum man an einer Vogeluniversität studiert und die Vögel mindestens so hoch entwickelt sind, wie die Menschen. In Kombination mit dem sehr gelungenen Ambiente durch die grafische und musikalische Darstellung, entsteht ein Titel, der zumindest verspricht, ein sehr guter Einsteigertitel für Visual Novel-Neulinge zu sein. Ich bin gespannt, wie sich die anderen Endings auf der PS Vita machen.

Mein Besuch an der berühmten Taubenschule endet nun nach etwas mehr als 14 Stunden. Ich habe das Spiel zwar noch nicht fertig, aber ich kann nun zwei der speziellen drei Endings anschauen. Welche das sind, verrate ich aber nicht. Wie ihr sehen könnt, habe ich also noch etwas Spielzeit, so ca. vier bis fünf Stunden.

Von Liebe, Rätseln und Verzweiflung

Im späteren Verlauf des Spiels zeigt Hatoful Boyfriend seine vielen verschiedenen Gesichter. Jede Geschichte fängt mit demselben freundlichen Gesicht an, aber zeigt immer mehr von seinen Facetten. Einige Geschichten sind klischeehafter, andere versuchen sich in Tragik. Teilweise gehen sie damit weniger in die Tiefe als andere Visual Novels. Die Qualität des Spiels liegt aber in der tollen Verknüpfung aller Geschichten, die euch eine verblüffend passende Geschichte erzählt, wenn ihr die Erkenntnisse aller Endings und Wege dorthin kombiniert.

Von Trophäen und Endings

Untypischerweise möchte ich auf die Trophäen eingehen. Dies hat auch einen speziellen Grund. Im Normalfall wären einige Endings nur sehr schwer erkennbar. Einige Charaktere haben ein normales und ein richtiges Ende. Die Bedingungen sind teilweise etwas kompliziert, aber die Namen der Trophäen sind ein guter Hinweis, wo ihr anfangen könnt, zu schauen.

Audiobug

Unangenehm sind die stellenweise auftretenden Audiobugs, die zu einer nervigen Geräuschkulisse führen. Woran sie geknüpft sind, ist mir noch nicht klar, aber insbesondere der Laden und das Event am 03.02. scheinen betroffen zu sein. Ich hoffe dieser Fehler wird zeitnah korrigiert. Merkwürdigerweise kann ich nicht einmal behaupten, dass der Bug häufig auftritt. Ab und an und ohne ersichtlichen Grund gibt es kurzfristig Störgeräusche.

Fazit: Hatoful Boyfriend fängt als großer Witz an. Wer das erste Mal die Tauben sieht, kann nur über seine eigene Einstellung lachen und mit der Frage nach dem Grund für das Spielen kämpfen. Auch ich war zuerst doch mehr als Perplex, als ich gefragt wurde, warum ich das Spiel spiele. Die Geschichte entwickelt sich dann auf eine merkwürdige aber faszinierende Weise. Statt alle Geschichten als komplett in sich geschlossen zu betrachten, enthüllt Hatoful Boyfriend mit jedem weiteren Ending etwas mehr von der Welt und der Geschichte hinter der Schule und eurem Hauptcharakter. Von der leichten Atmosphäre am Anfang hat sich das Spiel wirklich gewandelt. Auch wenn das Spiel grafisch und seiner Präsentation einfach zeigt, hat es einen Platz unter meinen Lieblingsnovels gefunden, weil es einfach Überraschenderweise, witzig aber auch deprimierend ist und für jeden zumindest ein interessantes Ende bereithält.

Wer auf der Suche nach einer Visual Novel ist, die man auch in kurzen Abständen spielen kann, ohne dann ewig zu brauchen und gerne einmal eine Welt sehen will, die von Vögeln beherrscht wird, ist bei Hatoful Boyfriend genau richtig. Auch wenn die Geschichte nicht so tiefgründig ist, wie bei anderen Visual Novels könnt ihr eine schöne Erzählung erleben.

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Das letzte Ende (BBL-ending) hält einige Überraschungen bereit. Die Spielzeit von 12Std könnte man nach oben korrigieren 😉

Ich finde dieses Spiel ziemlich gut und humorvoll. Hatte echt witzige Momente und wurde besser unterhalten als mit Killzone. Kommt aber leider nicht an das Meisterwerk Virtues Last Reward an. Trotzdem, Preis-/Leistung ist top, wenn man es für 7,99€ bekommt 🙂