Test – Hatoful Boyfriend: Holiday Star

Test – Hatoful Boyfriend: Holiday Star

Test – Hatoful Boyfriend: Holiday Star

2
Positiv
45% - 60%

Unser erster Eindruck war

Unsere Bewertung

Vorschau

Willkommen zurück! So finden wir uns einmal mehr in der etwas merkwürdigen Welt von Hatoful Boyfriend wieder. Dieses Mal kehren wir im Winter zurück und widmen uns der Ferienzeit. Mediatonic und Devolver Digital bringen unterschiedliche Episoden aus der Vogelwelt. Ob der spät erscheinende Vogel den Wurm fängt oder zurück auf die Stange muss, erfahrt ihr in der Vorschau.

Ein herrlich … fedriger Winter

Rund um St. Pigeonation ist das Leben chaotisch wie eh und je. Das ist für Kenner des ersten Teils vermutlich keine Überraschung, Holiday Star bringt euch dabei vier Hauptepisoden und – kleiner Spoiler am Rande – sechs Nebenepisoden, die sich thematisch alle am Jahresende rund um Weihnachten. Außerdem gibt es noch eine Radioshow, die wichtige Fanfragen beantwortet.

Okay ein kleiner Einschub am Rande, um die Gesamtsituation etwas besser darzustellen. Ich rate euch davon ab Holiday Star zu spielen, wenn ihr Hatoful Boyfriend nicht gespielt habt. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Erstens werden die Charaktere nicht mehr vorgestellt, ihr solltet also bereits ein Grundwissen zu euren gefiederten Freunden haben. Außer ihr wisst so, wer z.B. Sakuya oder Shuu sind und warum sie sich so verhalten, wie sie es tun. Dies geschieht hier nicht noch einmal. Es ist mehr eine Fortsetzung mit den bekannten Charakteren. Als zweiten wichtigen Grund muss man die Spoilergefahr ansprechen. Auch wenn es sich Holiday Star versucht es sich nicht anmerken zu lassen, so tauchen doch immer wieder kleinere Hinweise auf andere Ereignisse auf. Die Krönung ist die extra für Fans gemachte Radioshow, die eine der wichtigeren Routen in die Nutzlosigkeit spoilert. Kennt ihr Hatoful Boyfriend, seid ihr herzlich eingeladen es zu spielen. Für diejenigen, die sich gerne mit dem Universum auseinandersetzen, wie ich, möchte ich das Spiel noch kurz zeitlich einordnen. Es spielt in einem Parallel-Universum des ersten Teils, in der die Bad Boys Love-Route nicht geschehen ist. Das löst einige sonst unangenehm zu erklärende Probleme, greift aber trotzdem auf wichtige Punkte aus allen Hatoful Boyfriend-Routen zurück. Aber zurück zum Review.

Mehr Erzählung

Für die Vorschau habe ich einen Blick auf die ersten beiden Episoden geworfen. Im Vergleich zum Vorgänger fällt direkt auf, dass die Routen viel direkter sind und die Abzweigungen weniger Einfluss auf den Ablauf der Episode haben. Da die Routen ein eigenes Thema behandeln ist das auch nur wenig verwunderlich. In den einzelnen Episoden werdet ihr so lange den Dialogen und Wegen der Hauptcharakterin folgen, bis ihr zu einer Entscheidungsstelle kommt. Auf eine „falsche“ Entscheidung bin ich bisher noch nicht getroffen, aber ich habe auch noch nicht alle Optionen innerhalb der Episoden probiert. Das spare ich mir auch für den Test auf. Bis zu einer Entscheidung dauert es nämlich je nach Episode ziemlich lange. Die Auswahl der Option erfolgt dabei klassisch mit dem Steuerkreuz. Es ist relativ deutlich, dass Holiday Star kein zweiter Teil der Reihe, sondern nur eine kleiner Fortsetzung des ersten Teils ist. Das ist nicht schlimm und wird auch im Preis berücksichtigt. Was im Zuge der Episoden bisher vollständig verloren gegangen ist, sind die Möglichkeit Romanzen einzugehen. Natürlich werde ich darauf verzichten den Inhalt der Episoden aufzuführen. Wer Hatoful Boyfriend gespielt hat, der kann sich auf dieselbe Stilrichtung gefasst machen. Die Mischung aus Komik, Tragik und Tragöde ergibt lustige Szenarien, die so tun als ob sie sich an den klassischen Aufbau halten würden. Sie tun es nicht. Immer wieder beeindruckend ist dabei, wie federleicht die Geschichten zwischen ernsten und lustigen Ton wechseln. Besonders freundlich ist die Möglichkeit, an fast jeder Stelle speichern zu können. Dies erlaubt euch, eurem eigenen Tempo zu folgen. Bei der Auswahl des Speicherslots habt ihr die Wahl, ob der Spielstand lokal oder als Cross-Save-Version gespeichert wird.

Multilinguale Vögel

Eine kleine Anmerkung zur Übersetzung des Spiels. Ich persönlich spiele am liebsten auf Englisch, weil die Komik des Spiels hier besser zum Tragen kommt. Die deutschen Bildschirmtexte sind aber dennoch nicht schlecht und meistens auch korrekt. Ein zwei Fehler und Wortungenauigkeiten habe ich finden können, diese stören aber nur wenig beim Verständnis. Eine Sprachausgabe gibt es auch in dieser Version nicht – die hoffentlich niemand erwartet hat, aber wenn ihr eine sucht, sucht euch einfach Vogelrufe.

Frisch gemausert

Holiday Star präsentiert sich dabei in seiner, aus Teil eins bekannten, schönen und schlichten Grafik. Die meisten Orte haben einen entsprechenden Hintergrund, der ihnen zugeordnet werden kann. Die Räume der Schule sollten euch ja zu genüge bekannt sein. In Holiday Star werdet ihr aber viel mehr in der Stadt unterwegs sein. Dabei werdet ihr als einer der wenigen Menschen häufiger auf interessierte Vögel treffen, die euch mögen oder auch nicht. Was mich relativ früh gestört hat, ist das fast vollständige Fehlen von Musik. Bis auf die einen oder anderen Lieder, die passend zur Saison gewählt wurden, ist das Spiel recht funkstill. Bei Visual Novels und RPGs sind aber die Musikstücke für mich wichtige Teile des Gesamtkonzepts, weil sie einem helfen, in die Spielwelt einzutauchen. Hier fühlt es sich eher an wie ein Kopfsprung auf Beton. Das Problem dabei ist die Monotonie die durch das Fehlen der Entscheidung entsteht. Je indirekter man in eine Spielwelt eingebunden ist, umso mehr bedarf es Unterstützung anderer medialer Einflüsse, um eine komplette Spielwelt entstehen zu lassen. Diese Rolle könnte durch die immer wieder auftauchenden Animationen übernommen werden. Sie wirken aber meines Erachtens immer etwas „stotternd“. Statt mit dem Auftauchen der Charakter zu starten, werden die Animationen erst kurz nach ihrem vollständigen Erscheinen ausgeführt. Gerade in der ersten Episode fand ich das mehr als nur etwas irritierend, weil es nicht zu den animierten Charakteren gepasst hat.

Zwischenfazit: Mit einem leicht unangenehmen Gefühl beende ich diesen ersten Blick auf das Spiel schon. Einerseits freut es mich zu sehen, dass Holiday Star sich grundsätzlich an den komischen und teilweise irritierenden Wirrwarr orientiert. Das bringt denselben klassischen Humor in die Reihe, den ich bereits am ersten Teil gemocht habe. Auch die Präsentation des Spiels ist gut gelungen. Einerseits folgt man dem Charme des alten Spiels, aber versucht ihn auch durch neue Charaktere und Orte aufzubessern. Andererseits wirken die Animationen etwas stotternd und das Fehlen von Musik ist gerade bei den langen Textpassagen ohne Entscheidung nervig. Entscheidend für die Bewertung wird sein, inwieweit unterschiedliche Entscheidungen das Spiel beeinflussen und was die anderen Episoden in Sachen Inhalt bieten. Trotz des unguten Gefühls, haben mich die ersten beiden Episoden doch so sehr amüsiert und mir gefallen, dass ich dem Spiel noch positiv gegenüberstehe.

Test

Nach guten sieben Stunden melde ich mich zurück und bin mehr als erledigt mit dem Thema Weihnachten. Wenn Holiday Star eines versteht, dann ist es den Wahnsinn der Weihnachtszeit spektakulär und aberwitzig zu präsentieren.

Geradlinig

Die für mich größte Enttäuschung im Spiel sind die geradlinigen Routen. Nachdem ich mit so gut wie allen Routen bin, hatte ich mich daran gemacht, unterschiedliche Optionen auszuprobieren. Einige andere Möglichkeiten bringen euch ein oder zwei veränderte Szenen, die meisten anderen Optionen führen aber relativ schnell zu einem Bad End und damit zum Ende der Episode. Das wäre vielleicht weniger schlimm, wenn ich nur wenig speichern würde und man zwischen einigen Entscheidungen nicht gerade zehn bis zwanzig Minuten durch Text durcharbeiten müsste. Das Ergebnis ist, dass ich weniger intensiv in die Geschichte eingebunden bin, was bei geringer Interaktion als Spieler recht unangenehm ist.

Wenn man sich die vier „Hauptepisoden“ anschaut, dann muss ich sagen, dass ich mit steigender Episodenzahlt einen besseren Eindruck bekam. Die erste Episode ist meines Erachtens nach die am ungelungensten, auch wenn man ein Fan von Anghel sein muss, um Episode zwei wirklich zu mögen. Die Episoden drei und vier gehören zusammen und erzählen eine Geschichte, die kaum verrückter ist als Oka-sans Pudding-Abenteuer aus Hatoful Boyfriend. Die letzte Hauptgeschichte ist dabei auch vom Stil am besten gelungen. Sie hat auch einen sehr guten Trennpunkt anhand der Episodengrenze. Innerhalb der beiden Episoden geht es zurück zu denselben Problemen. Es fehlt an Integration des Spielers ins Spiel. Das Ergebnis war, dass die beiden Episoden mit der lustigsten Geschichte, zwischenzeitlich mehr zu einer Qual, als zu einem spaßigen Erlebnis wurden. Es wäre vermutlich eine Überlegung wert gewesen die Episoden alle zu bündeln und als Buch zu veröffentlichen. In Buchform hätte es die Notwendigkeit von Interaktion nicht gegeben, weil der ausgeprägtere Schreibstil eine Bindung aufbauen könnte.

Wir sind auf Sendung!

Ein kleiner Abschnitt sei den Radiosendungen gewidmet. Die Radioshows sind recht kurze Segmente, die nur teilweise im Universum integriert sind. Der primäre Fokus liegt hier auf der Beantwortung von Fanfragen. Statt „normaler“ Moderatoren treten aber die gefiederten Hauptcharakter selbst in ihnen auf. Hier wartet wieder allerhand Wahnsinn und Komik auf den geschätzten Leser. Trotz der fehlenden Beteiligung, sind diese Shows aber mit Abstand der Teil des Spiels, der mir am besten gefallen hat. Hier sind der Irrsinn und der Wahnsinn im Vordergrund. Im Gegensatz zum Hauptspiel, sind die Episoden aber kürzer gehalten und man landet nicht in irgendwelchen Bad Ends. Wer auf lustige Weise erfahren möchte, wie die Vögel ticken und was das erste Spiel für kleine und große Geheimnisse versteckt hat, der ist bei den Radioshows definitiv an der richtigen Stelle.

Fazit

Holiday Star macht einiges gut und anderes schlecht. Wie bereits erwähnt, liefert das Spiel seine für die Serie typische Komik in grandioser Weise. Gerade die Geschichten liefern schöne und zum verrückten Universum mehr als passende Geschichten. Das fehlende Romantikelement ist auch kein Problem, so wild bin ich auch nicht darauf, mich mit Vögeln zu verabreden. Das Problem ist das Verhältnis von Entscheidungshäufigkeit und –wichtigkeit. Es mangelt einfach zu sehr an relevanten Entscheidungen, um mich dauerhaft an der Geschichte zu halten. Dazu kommt noch das Problem mit den teilweise sehr geradlinigen Routen, die auch jedes weitere Experimentierten uninteressant gestalten.

Als Fan des ersten Teils lohnt es sich schon einen Blick auf Holiday Star zu werfen, aber das Spiel kann nicht ganz an die Qualität des Vorgängers heranreichen.

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