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Sony und die Zukunft der PS Vita

Sony und die Zukunft der PS Vita

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Gestern geisterte ein Zitat von Andrew House, CEO von Sony Computer Entertainment [International] und oberster Herr der Playstation-Sparte, im Internet herum, welches einem kleinen Beben glich: „Legacy platforms.“

Diese zwei Wörter sagte er bei der Erklärung der strategischen Ausrichtung im Rahmen der Investorenversammlung und meinte dabei die zwei Sorgenkinder PS Vita und den PS TV. Zuvor betonte er, dass die Verkäufe im asiatischen und japanischen Raum „stark und dynamisch“ bleiben, die Zukunftsperspektive in westlichen Ländern leider nicht so rosig eingeschätzt werden.

Zu diesem Zeitpunkt musste ich ein wenig schlucken. Legacy bedeutet nichts anderes als „veraltet“ (ein wunderbares Beispiel ist FIFA auf der PS Vita in der „Legacy Edition“ – eine schöne Umschreibung für eine nicht aktualisierte Version. Aber ich schweife ab). Und alt hatte ich sofort assoziiert mit dem Einstampfen der Produktionen, dem Aufgeben der Konsole, dem Ende der PS Vita. Kann es das schon gewesen sein? Nach über drei jungen Jahren das Ende ihres Handhelds einläuten? Letztlich steht und fällt euch yourPSVita mit dieser Aussage.

Das machte in meinen Augen allerdings keinen Sinn.

  1. Die PS Vita hat vor kurzem erst die magische Marke von 10 Millionen verkauften Konsolen geknackt. Dafür, dass eine Konsole für tot erklärt wurde, ist das eine beachtliche Zahl.
  2. In diesem Zusammenhang muss man ein weiteres Zitat von Sony nennen: Zur E3 2013 hatte Sony durchblicken lassen, dass der durchschnittliche PS Vita Besitzer 10 Spiele kauft. Im Vergleich zu anderen Konsolen ist das ein Traumwert und zeigt sehr deutlich, dass sich Investitionen in den Handheld mehr als lohnen. Nicht umsonst hatte DrinkBox Entwickler Chris McQuinn von der PS Vita und seinen kaufwilligen Besitzern geschwärmt.
  3. Auch wenn Sony im letzten Jahr den First-Party-Support eingestellt hatte, heißt es nicht, dass sie keine Spiele mehr veröffentlichen. Die 3rd Party Production ist weiterhin fleißig und hatte uns zuletzt den Klassiker Grim Fandango gebracht. Spiele wie Hohokum, Doki-Doki Universe, MonsterBag oder das kommende Super Exploding Zoo werden ebenfalls von Sony veröffentlicht.
  4. Zahlreiche Publisher veröffentlichen weiterhin starke Marken auf der PS Vita. Bandai Namco mit Sword Art Online und One Piece, Tecmo Koei mit Dynasty Warriors, Square Enix mit Rise of Mana oder Dragon Quest, Idea Factory mit dem Hyperdimension Neptunia Franchise, Atlus mit Persona oder Dungeon Travelers, NIS America mit Danganronpa, Disney mit Disney Infinity und und und.
  5. Ebenso stehen zahlreiche neue Publisher auf der Matte, die die PS Vita mit tollen Spielen versorgen und weiter versorgen werden. Curve Studios, Rising Star Games, Devolver Digital sind da exzellente Beispiele.
  6. Besitzt die PS Vita nach über drei Jahren ein riesiges Arsenal an Spielen, die vor allem Platformer und Rollenspiel-Fans in den Bann ziehen. Tendenz weiter steigend.

Auch wenn es nirgends steht, verdient Sony mit der PS Vita mittlerweile sehr gutes Geld. Sie haben es eingesehen, dass der ursprüngliche Fokus auf volle Konsolenspiele keinen Markt besitzt und schlichtweg zu teuer ist und haben aus rein wirtschaftlicher Sicht korrekt gehandelt, indem sie ihre Mittel nun auf ein normales Maß zurückfahren. Stattdessen nutzen sie die freien Gelder, um Lokalisierung (Tales of Hearts R) oder die kreativen Indie-Entwickler zu fördern (Roll7, FuturLab). Damit fahren sie eine gute Strategie, die bei geringem Mitteleinsatz auf allen Seiten zum größtmöglichen Erfolg führte. Denjenigen, denen das Spieleportfolio der PS Vita nicht passt, gestehen es sich entweder nicht ein, haben unrealistische Erwartungen, sind sich dem Umfeld und der Spielegeneration nicht im Klaren, die aktuell mit Free-to-Play und Smartphone vorherrscht, oder sind schlichtweg nicht in der Zielgruppe des Handhelds.

Es macht also überhaupt keinen Sinn, das Ende der PS Vita zu prophezeien. Zumindest nicht für dieses und nächstes Jahr.

Glücklicherweise hat Sony heute ihre Aussage klar gestellt. Die veralteten Plattformen beziehen sich nämlich auf die alten 100X-Modelle, die seit letztem Jahr von der PS Vita Slim abgelöst wurden und nun aufgrund der hohen anfänglichen Produktionskosten abgeschrieben werden. Dies schmälert den Gesamtgewinn und beeinflusst direkt den Aktienkurs des Unternehmens – was letztlich eine wichtige Information für Investoren ist. Das man mit dem Handheld keine Gewinne erwirtschaften wird ähnlich wie die PS4 jetzt oder den kommenden Innovationen Project Morpheus, Playstation Now oder Playstation Vue, sollte für jeden klar sein. Man plane weiterhin mit der PS Vita, so Sony, und man siehe die starke Akzeptanz für Remote Play und dem Spieleportfolio des Handhelds.

Und hier stellt sich mir eine Frage: Warum zum Teufel können die Medien nicht mal was positives berichten? Irgendwie scheint die PS Vita immer nur dann im Vordergrund zu stehen, wenn man ihr Ende prophezeit oder eine Preissenkung ansteht. Die PS Vita verkauft sich nicht wie gedacht, dann ist die Konsole tot. Die PS Vita besitzt kaum Retail Spiele, dann ist die PS Vita tot. Sony stellt den First-Party-Support ein, dann ist die Konsole tot. Das nervt mich unglaublich und ist unserem geliebten Handheld gegenüber mehr als nur unfair – objektiver Journalismus sieht anders aus. Aber das ist wieder ein anderes Thema.

Euch sei zuletzt gesagt: Die PS Vita ist nicht tot solange regelmäßig Spiele angekündigt werden und erscheinen. Glaubt nicht jeder (negativen) Meldung und vor allem lasst euch nicht so einfach beeinflussen. Jeder hat seinen Platz in dieser Welt und das hat auch die PS Vita. Nämlich in den Herzen eines Spielers.

Lars Leidenschaftlicher Gamer, Ehemann und IT-Berater. Liebt seine PS Vita, seinen Hund und Wordpress. Seit 2011 Redakteur und seit 2013 Administrator und Webmaster von yourPSVita.

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7 Kommentare auf "Sony und die Zukunft der PS Vita"

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Bifi
Gast
Der Artikel ist sehr gut geschrieben und ich stimme deiner Meinung voll zu. Die normalen Leute sehen die PSVita als tote Konsole, aber die Leute, die mit dem Gerät arbeiten und es schätzen, sind auch besser informiert, wenn es um die Spiele geht. Klar es sind Nischentitel, aber die Anzahl solcher Titel ist nirgendwo größer als auf der Vita. Das find ich klasse. Das PSTV… naja da hab ich mit den Kopf geschüttelt, als es angekündigt worden ist und schüttel ich heute noch. Diesen unlogischen Schritt hätte man sich sparen können und lieber der PS Vita 2000 einen HDMI Port… Read more »
heubergen
Mitglied

Ich bin besser informiert als die normalen Leute. Leider muss auch ich dir sagen dass die Vita bald tot ist. Schade aber wahr. Dank SCEE und SCEA.

heubergen
Mitglied
1) Segas Dreamcast hatte sich auch zehn Millionen Mal verkauft, die Konsole ist aber trotzdem tot. Und SEGAs Pläne für Hardware auch. 2) Wenn auch digitale Inhalte gemeint sind, ist der Wert gleich nicht mehr so gut. Viele Verkäufe waren und sind Indies und die verkaufen sich auch auf anderen Plattformen. Die PS4 ist der neue Liebling der Entwickler. Ich glaube DrinkBox erst wenn sie 2017 noch ein neues Vita Spiel ankündigt, vorher nicht. 3) Das sind alles unbedeutende digitale Spiele ohne nennenswerte Spieleranzahl, keine Retail-Games sind angekündigt und das letzte Vita Spiel musste man Sony ja schon fast dazu… Read more »
waldmeister brausesause
Mitglied
Mhh, ist irgendwie ein vielschichtiges Thema. „Tot“ ist einfach ein dehnbarer Begriff und ausserdem kommt es immer darauf an, aus welcher Perspektive man das betrachtet. Für SONY selbst läuft es im asiatischen Raum ganz gut, glaube ich – daher kommt auch stetig neuer Nachschub dort, Amerika kann ich überhaupt nicht einschätzen und Europa schwächelt wohl etwas, was bestimmt auch daran liegt, dass unser Areal sprachlich und von der Alterseinstufung her am zerklüftetsten ist und sich ein Entwickler daher zweimal überlegt, ob er einen Titel bringt. Welche Schlüsse SONY daraus zieht, liegt mit Sicherheit auch daran, welche Erwartungen sie haben. Für… Read more »
Trunx
Gast
Die Vita ist tot – lang lebe die Vita? Ich war Anfangs auch skeptisch, hab mein beim Launch gekauftes Gerät auch wieder verkauft .. um mir ein Jahr später wieder eine Vita ins Haus zu holen. Seitdem ist sie meine Go-To-Konsole, die PS3 verstaubt und an eine PS4 ist noch überhaupt nicht zu denken – trotz reizvoller Kleinigkeiten wie Remote Play auf der Vita .. Es gab letztens eine Statistik, dass Vita-Player einen Backlog von ca. 30 Spielen in der Hinterhand haben. Dem kann ich nur zustimmen, bei mir warten auch dutzende Titel darauf, endlich mal durchgespielt zu werden. Gerade… Read more »
Marius
Gast

Nee die Vita ist auch jz nich lange nicht tot, es gibt so viel Kontext!

Marius
Gast

Und solange Sony damit Geld verdient werden die auch immer für mehr sorgen! Zumal ist die Vita ja auch mod bar glaub ich? Das eröffnet auch sehr viele Möglichkeiten

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