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ЯETRO Geschichten #5

ЯETRO Geschichten #5

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Guten Tag liebe Nutzerschaft.

An dieser Stelle werde ich Geschichten und Stories zum Besten geben, die sich rund um die alten Handhelds, Spiele und Retrokram drehen.

Heute: Teurer, weniger Inhalt

Ich errinnere mich nur zu gerne, als man 120 DM auf den Thresen legte, die Tüte mit dem neuesten Adventure von der Kassierin in die Hand gedrückt bekam und sich stolz nach Hause begab. Man riss die Folien um dem Karton ab, schüttelte den Deckel an und dann erblickte man ein Bild der Freude. Disketten, Kopierschutzsysteme, T-Shirts, dicke Handbücher, Spielfiguren, Level- und Spielkarten, Bücher, Schlüsselanhänger, Post- und Garantiekarte. Das waren nur wenige der Dinge, die man in einem frisch gekauften Spiel finden konnte.

Sich auf ein neues Spiel einzulassen hat immer wieder Freude bereitet. Die Hersteller haben dafür gesorgt, dass man etwas schönes bekam. Wenn man heutige Spiele anschaut, dann hat man immer weniger Gegenwert für seine 60 Euro. Da kann es schon mal passieren, dass man die Amaray öffnet und nur noch eine Zettel mit einem Downloadcode findet.

Handbücher waren damals mitunter hunderte Seiten dick und haben einem Einstellungen von Rennwagen und Raumschiffen im Detail erklärt. Feinde aller Coleur aufgelistet und Angriffstaktiken zur Schau gestellt. Kontrollerbelegungen und Tastaturküzel beschrieben. Abgesehen von Epilepsiewarnungen sind die Spiele vergangener Tage marginal ausgestattet.

Dicke Kartons, sogenannte Euroboxen sind verschwunden, Inhalte gibt es nicht mehr. Special Editions werden zwar in der Tat noch angeboten, nicht selten bezahlt man aber einen saftigen Aufpreis für kleine Gimmicks. Oder der Spieß ist komplett rumgedreht, man bekommt einigermaßen günstig herstellte große Objekte, muss dafür aber auch über 200 Euro auf den Tisch legen.

Vorbestellerboni wie Downloadwaffen, -rüstungen und -rennwagen sind dann je nach Laden und Onlineshop unterschiedlich und meist nicht kombinierbar. Generell gibt es nur noch wenige Spiele, die auf kaufbare Ingamegegenstände verzichten. So bekommt man in den meisten Fällen nie das komplette Spiel ausgehändigt.

Das ganze Dilemma fing so circa vor 12 Jahren an, als die CD-Rom als Spieldatenträger so richtig in Mode kam. Als CD-Laufwerke nicht mehr hunderte von DM kosteten. Zuvor war man immer im Nachteil, was die Geschwindigkeit betraf. Immer wieder musste man tief in die Tasche greifen, weil das neueste Spiel ein klein wenig schnelleres Laufwerk benötigte. So kostete 1996 ein 6fach CD-Laufwerk knappe 650 DM. 2004 dagegen war ein relativ schnelles DVD-Laufwerk bereits bei rund 200 Euro angekommen.

Die Schritte in denen man die Spieler um ihre Spiel-Erfahrung gebracht hat, gingen schleichend voran. Vom Wegfall der Euroboxen, Umstellung auf dünne CD-Hüllen, auf praktische DVD-Amarays, die umweltfreundliche Poltik keine Handbücher mehr zu drucken, und natürlich der digitale Vertrieb. Hier enthält der Kunde nicht etwa wie gedacht das Gleiche Spiele zum viel billigeren Preis, nein, der Preis ist genauso hoch, wenn nicht sogar teurer. Einzig ein Download findet den Weg auf die Platte. Goodies bleiben auf der Strecke.

Zudem dass die Spiele nicht mehr Komplett in Nutzerhände gelangen, kämpfen Sie neuerdings mit dem Problem riesiger Patches. Ein Halo erscheint auf Xbox One zwar auf Blu-ray, bietet aber Multiplayergefechte nur nach einem 21GB-Download. AC Unity dagegen ist so unfertig, dass nicht mal der Updater gescheit läuft und man um ein sagenhaft geiles 40GB-Spektakel nicht herum kommt. Das wäre bei VDSL50 nicht weniger als knappe 2 Stunden Powerziehen. Wenn das mal die Telekom wüsste, dass sie ihre Drossel in wenigen Jahren bereits anch dem zweiten Spieleupdate reindrücken kann, die würden sich schlapp lachen.

Die größten Firmen meide ich seit einigen Jahren erfolgreich. Und man kann mir natürlich auch vorwerfen, viele schöne Momente und Kunstwerke verpasst zu haben. Zugegeben, dass schmerzt natürlich schon ein wenig. Aber genau genommen, ist mein Leben ausgefüllt um darin noch mehr als paar Stunden pro Woche an Gaming zuzulassen. Und das betreibe ich dann lieber mit Pinball Arcade und richtigen Flippern. So eine Kiste kann man wunderbar bespielen, modden, putzen, reparieren und mit LEDs bestücken…ein Traum 😉 Die Software ist glücklicherweise auf ICs gebrannt und wird nur als Baustein komplett ausgetauscht. Bei neueren Geräten darfs auch schon mal per USB sein.

Aber die unfertigen Videospiele sind nicht nur in Sachen Lieferumfang reduziert. Hinzu kommen noch die fehlenden Rüstungen, die beschnittene Spielzeit und das warten auf Resourcen, nerven von Freunde durch Gegenstandsanfragen. Viel mehr als ein Skelett bekommen die Spieler nicht mehr geboten. Bis der Körper mit Sehnen, Muskeln und einem dicken Rucksack bepackt ist, fließen die Flocken geradezu in hohem Maße durch die Leitung. Bis man kurz vor Schluss feststellt, dass man ohne Gebiss keinen Apfel essen kann. Und wenn man dann realisiert was man sich da angelacht hat, begreift man endlich, dass einem das Spiel nicht mal gehört, denn man hat passend zum Download nur eine Nutzungserlaubnis erworben. Wie lange diese ihre Gültigkeit bewahrt, ist nirgends zu finden.

Die Zukunft sieht dabei nicht einmal rosig aus. So wird jetzt schon gemutmaßt, dass die kommende PlayStation „5“ als Cloud-Konsole ihren Weg vor den TV findet. Dann wird es vermutlich nicht einmal mehr Medien geben. Die Zeiten in denen man Regale voller Cartridges, Kartons, Kabel und CDs in eBay ersteigern konnte, sind dann vorbei. Gebrauchte Spiele wird es dann auch nie wieder geben. Irgendwo in den AGB steht explizit drin, dass Accounts nicht veräußert werden dürfen. Bleibt also nur die Konsole als Selbige, die man noch verscheuern kann.

Doch die entscheidende Frage wird wohl sein, was danach kommt. Schließlich sind die „Entfernungen“ nach Umwelttechnischen Gesichtspunkten noch nachvollziehbar, entfallen aber immer mehr. Mit welchen Mitteln wird uns dann verkauft, dass wir keine andere Wahl haben, als noch mehr Einschreinkungen zu akzeptieren?

All dem Schlechtem der Videospielindustrie gegenüber stehen die kleinen Projekte. Egal ob Kickstarter oder Indiegogo bzw. zahlreichen anderen Projekten auf Crowfoundingplattformen, die Hersteller von Spielen versuchen die große Menschenmenge nicht nur mit Spileprinzipen zu locken, die schon lange vermisst werden, sondern auch mit Goodies zu überhaufen, die es so auch nicht mehr gab. Alles zum Trotz reicht das natürlich nicht, dem Einsparungsgebahren der Industrie anzukommen. Es ist nur der sogenannte Tropfen auf den heißen Stein. Dennoch ist es ein eindeutiges Signal an Jene, die meinen, Weniger sei Mehr.

Heute noch an Spiele mit deren Inhalt zu kommen, stellt ein wahres Abenteuer dar. So hatte ich die Plan für mein neuerhaltenes SNES das Spiel zelda zu kaufen. Die Preise dafür schlagen dabei in eine herbe Kerbe: 250 Euro komplett. Natürlich kann man auch für 32 Euro zuschlagen, muss auf Spieleberater, Landkarte, Geheimniskarte, Spielanleitung und Karton verzichten. Einzelne Artikel zu erwerben kommt einer Schatzsuche ohne Schatzkarte gleich. Wie und Wo an die begehrten Items zu kommen wird zum kostspieligem Glücksspiel.

Doch und so fragt man sich zurecht, soll man aktuelle Special Editions überhaupt noch zulegen, geschweige denn behalten und bewahren? Die Antwort kann ernüchternder kaum sein: Nein. Spiele sind eine Massenware geworden. Wenn man nicht gerade eine auf wenige hunderte Ausgaben limierte Fassung im Schrank stehen hat, stehen die Chance sehr gering, damit mal mehr als 78 Cent auf Rebuy oder 1 Euro auf eBay zu erhalten. Die großen Goldgräberzeiten sind leider Gottes vorbei. Es gibt einfach zu viele und zu Gute Spiele, als dass es auf „Die 20 oder 30“ Spiele eines Systems ankommt.

Selbst Klassiker wie Halo werden für jedes Herstellerbezogene System immer und immer wieder in HD aufgemischt und als Remake neu vermarktet. Echte Hardcore-Fans mit ihren alten X-Boxen werden für 10 Euro fündig, Teil 2 gar nur 6,50 Euro, jeweils Versand inklusive. Das sind die Klassiker, Spiele, die sich selbst auf der Xbox 360 noch ordentlich spielen lassen. Aber die Hersteller wollen lieber ihre neuen Texturen- und Sprachpakete verkaufen, als solch alte Schinken. Ensprechend wird der Markt bedient, obwohl die Spiele nicht schlechter geworden sind.

Das gleiche System hat man beim N64-Titel Ocarina of Time angewandt. Zunächst für den GameCube verwurstet, dann noch mal für den 3DS und im Shop-System ist es auch als Klassiker zu finden. Unkomplizierter als Download zu kaufen als eine Auktion zu ersteigern. Und während die Mario Spiele in den 90ern eher Mangelware waren, ist der Markt mittlerweile übersättigt. Auch eine Art die Spiele und ihre Begehrlichkeit zu senken.

Und freut man sich über digital verbilligte Spiele über Steam und Co. so wird einem auch hier die Freude getrübt. Die Einem nehmen die Dumpingpreise willkürlich hin, um sich bereitwillig die Rechte beschneiden zu lassen, die Anderen wissen womöglich nicht einmal was ihnen blüht. Denn Spiele kauft man heute nicht mehr wirklich. Man darf sich lediglich ein digitales Abbild speichern, welches vom Hersteller zur Nutzung freigegeben wurde. Diese Lizenz kann jederzeit ohne Vorwarnung erlischen, geändert und zensiert werden. Schon Telltale hat einige Spiele aus der Bibliothek entfernen lassen, Spiele anderer Hersteller bekommen plötzlich Sprachversionen entfernt und missleidige Updates vermiesen selbst Jahre nach dem Kauf die Spielerfahrung.

Gewappnet für solche Missetaten ist man lediglich wenn gekaufte Titel auf dem PC gesichert und die automatischen Updates so lange wie möglich geblockt werden. Generell hat man es eh einfacher, wenn man solche Spiele sich auf der Boerse besorgt. Mit Rundumwohlfühlprogramm und ohne Hersteller-DRM-Vorgaben. Wenn man die dann per Patch und Keygen zum Laufen bringen kann, einem so schnell nicht die Lust am zocken nehmen werden.

Dabei sind die Zutaten für Kundenzufriedenheit nicht einmal geheim oder gar mystisch. Verkauft „echte“ Spiele, welche die von Beginn an laufen, zu realistischen Preisen, verramscht den Kram nicht und packt ordentlich was dazu. Lasst Spieler nicht für jede Rüstung und jede Karre bluten und bietet ihnen eine Spielerfahrung, die jeder Besitzer des Titels auf der ganzen Welt gleichwertig genießen kann.

Da ich ältere Games wie Metroid 2 liebe, ist das Blog mit dem eher dürftigen Namen „Another Metroid 2 Remake“, kurz „AM2R“, ein Blick für alle die wert, welche Zeit und Faszination an diesem Spiel haben. Nicht selten muss man sechs Wochen auf teils maue News warten, aber die ersten Demos spielen sich astrein und das fertige Spiel, ich schätze es wird noch 2-3 Jahre dauern, wird einschlagen! So ein Spiel wird mit Herzblut und Schweiß entwickelt, designed, komponiert und programmiert. Es zeigt, dass sich nicht alles um Geld dreht, man nicht am ersten Tag etwas für 1 Milliarde verkaufen muss. Man muss mit aller Liebe dabei sein und etwas ehrliches Abliefern. Etwas, dass die Spieler spielen wollen.

Freut euch auf den nächsten Artikel: Kindheitshelden

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