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ЯETRO Geschichten #4

ЯETRO Geschichten #4

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Guten Tag liebe Nutzerschaft.

An dieser Stelle werde ich Geschichten und Stories zum Besten geben, die sich rund um die alten Handhelds, Spiele und Retrokram drehen.

Heute: Verloren im Dschungel der Updates

Wenn ich heute daran denke, mal eine Runde an der PlayStation 3 zu spielen, schüttelt es mich. Ein kalter Schauer läuft mir über den Rücken und je mehr ich darüber nachdenke, umso größer liegt die Wahrscheinlichkeit, dass die Konsole aus bleibt. Nicht nur habe ich ein Modell, dass es seit Release gibt, also eine mächtige Anzahl an Watt verbrennt, nein, die nötigen Updates seit der letzten Inbetriebnahme werden mir den letzten Nerv rauben, das steht im Vornherein schon fest.

Ein Grund warum ich solche PC-Klassiker wie „Day of the Tentacle“ und „Monkey Island 2: Le Chucks Revenge“ immer wieder und wieder gerne spiele, auch auf Tablet und Smartphone (zuvor auch PC bis zum umfallen, auf der PSP und dem Nokia 5380 bzw. 5800). Man kopiert den Ordner mit den Spieldaten auf den Stick und installiert, wenn nötig, ScummVM mit passendem Plugin. Schon geht es los. Zeitdauer, wenn man alles hat, nicht länger als die Installation von CD oder Disketten, wie früher eben, ein paar Minuten.

Natürlich gab es auch damals schon Updates, kaum ein Spiel war ohne Fehler. Aber so ganz krass wie heute war das nicht. Im Zweifelsfall lies sich ein Spiel immer noch spielen nach dem Kauf. Ob man „Patches“ installieren wollte, war immer eine persönliche Frage. Zum einen natürlich wie man an den Patch kam, Internet durften nur die wenigstens Kinder genießen und Preislich lag man irgendwo bei 11 Euro für eine Datenmenge von 5 Disketten (Mitte der Neunziger, was von den Eltern nicht gerade freudig aufgenommen wurde, aber nicht mehr zu ändern war) für die Demo von Duke Nukem 3D. Also musste man sich mit Zeitschriftenbeilagen begnügen und hoffen, dass gewünschter Patch auf der Diskette bzw. CD-Rom bereit lag.

In nur wenigen Fällen waren die sogenannten Ausbesserungen wirklich nötig. Sie behoben Fehler, merzten Grafikprobleme aus und fügten neue Treiber etwa für Sprachausgabe hinzu. Nicht immer waren alle Soundkarten unterstützt und ja nach Speicherausrüstung konnte es zu Rucklern kommen. Es gab jedoch nur eine Hand voll Spiele, die rein gar nicht laufen wollten, oder irgendwo zwischendrin abstürzten. Der Regelfall waren langsame Spiele, bei denen man dann die Details runterstellen musste.

Erst gestern (Also das ist jetzt schon eine Weile her, es war genauer gesagt im Oktober letzten Jahres) habe ich das alte NES rausgeholt, den Röhrenfernseher angeschlossen, über das alte Antennenkabel mit dem schlechten Signal. Dann über Sendersuchlauf das Bild und den Ton gesucht und trotz geringer Bildfehler, direkt losspielen können. Das hat mit Anschluss der Konsole kaum mehr als sechs Minuten gedauert.

Die Tochter war von so viel Nostalgie natürlich nicht so angetan wie ich. Aber Super Mario Bros. hat ihr natürlich schon gefallen. Und während Sie mit ihren fünf Jahren, ihre ersten digitalen Gehversuche unternahm, schraubte ich die Pads auf, um die Kontakte zu reinigen. Eine Sache die ebenfalls in wenigen Minuten abgeschlossen war. Inzwischen starb Mario heldenhaft dutzende Tode. Bis die Fingerfertigkeit bis zum Levelende reicht, dauert es wohl noch einige Sessions.

Auch den Game Boy habe ich noch in der Schublade liegen. Rund 70 der beliebtesten Spiele habe ich für die Keksdose, für den ich extra tief in den Geldbeutel gegriffen habe. Mit der Beleuchtungs- und Soundmodifikation, den NES-Buttons, neuer Scheibe und der schwarzen Lackierung hat das Gerät eine nagelneue Erscheinung. Sowohl äußerlich, als auch beim Innenleben. Spielecatridges in den Slot schieben, Schalter nach rechts drücken, in 3 Sekunden fängt das Spiel an. Naja, zumindest das Intro, aber auch wenn das länger dauert, so ist man in spätestens zwei Minuten im Spielgeschehen.

Auch das SNES steht bei mir hoch im Kurs, aber diese eine Konsole besitze ich nicht mehr. Die Power der ca. 4 Mhz hat auch heute noch Anziehungskraft. Aber Ladzeiten gab es auch damals schon ein wenig. Nicht sehr oft, aber hin und wieder mal. Patches gab es bei den Konsolen natürlich ebenso wenig wie bei den Handhelds. Die klobigen Module, mit ihrem Immensem Platzverbrauch funktionierten immer. Dass Spielstände gelöscht waren, wurde höchstens davon begünstigt, dass man in den Kontakten der Kasette hineinblies.

Erst vor wenigen Jahren erschien Ocarina of Time für den 3DS. Ich hatte das Spiel auch, 3D war fantastisch und Miyamoto, der Erfinder, hat in einem Interview erwähnt, dass er die Bugs drin gelassen hat, damit die Erfahrung des Spiels, die gleiche sei, wie damals beim Nintendo 64. Hier hatte man also schon die Möglichkeit die Fehler zu beseitigen, lies sie aber aus Faulheit, unter dem Mantel der Spielerfahrung, lieber unbeseitigt. Die Mängel im Gameplay hielten sich in Grenzen. Zwar gibt es einen Bug, bei dem sich der Spielslot aufhängt, man von vorn beginnen muss. Aber alleine so eine abstruse Abfolge von Ereignissen auszudenken bzw. auszuführen, dass es so weit kommt, dürfte Seltenheitswert haben. Natürlich gibt es im Internet Anleitungen zu besagten Problemen, falls man sich damit auseinandersetzen will.

Mit schnelleren CPUs, mehr Speicher und neuen Medien schwappte das Updatechaos vom PC Mitte der Nullerjahre auf die Konsolen über. Mit dem Nintendo Wii, der Xbox 360 und der Playstation 3 wurden die Patches und Firmwares zu einem Massenphänomen. Nicht nur, dass Spiele fortlaufend unfertig auf den Markt kamen, auch die Konsolen wurden zu einem sich ständig veränderndem Objekt. Mit Verbesserungen, Änderungen, Entfernungen, Exploits und dem Updatewahnn der Konzerne. Das ganze währe noch Halbwegs zu verkraften, wären die Handhelds davon nicht betroffen.

Alleine bei der Sony PSP zählt man fast 60 Firmwares in vier Jahren. Es ist ja schon so, dass sich die PSP von einem Backstein in ein schweizer Messer verwandelt hat. Aber den Preis für die ganzen Updates haben die User tragen dürfen. Ein guter Punkt bezüglich der Verfügbarkeitg war allerdings, dass Sony die Updates auf jeder UMD bereitgestellt hat. ABER, die Updates waren bindend. Man konnte es sich nicht aussuchen, ob man den Firmwarepatch installiert oder nicht. Die Spiele waren mit dem Zwang des Updatens verbunden. Ohne die richtige Nummer des Systems kam nur eine Fehlermeldung. Sofern neue Codecs im Update enthalten waren, konnte man die Notwendigkeit akzeptieren.

Eine schöne neue Welt, Updates, welche die Konsole „besser“ machen. Diese Medaille hat jedoch zwei Seiten. Sony hat reichlich Features wieder getrichen (u.a. Linux), für Europa und Co. erst gar nicht veröffentlicht (u.a. Comics), sogar neue Fehler in die Firmwares eingebaut (Nicht abspielbarkeit von Spielen), die ganze Reihen von Handhelds unbrauchbar machten (Abstürze, Bricks). Zwar hat man solche ungünstigen Veröffentlichungen meist sofort wieder aus dem Verkehr genommen, aber einige User hatten daran zweifelsohne keine Freude.

Bei den Handhelds wie der PSP konnte man noch von Glück reden, dass besagte Updates „nur“ knapp 30 MB groß waren. Die Konsolenversion dauerte alleine beim Download mit einer fast nahezu perfekten 16Mbit-Leitung schon fast 15 Minuten. Die Installation fast annähernd die gleiche Zeit.

Ein Horror, wer sich mal eben schnell Netflix installieren will und kein aktuelles Betriebssystem auf der PS3 hat. Ich habe den Videoservice gebucht, mein teurer Samsung Smart-TV und der Sony Blu-Ray Player haben jedoch keine App dafür parat. Daher der Umweg über die Konsolen. Zusätzlich habe ich die App auch auf der Xbox 360 installiert. Resultat: Bei der Xbox 360 haben die allgemeinen Updates mit knapp vier Minuten eine moderate Zeit gedauert, die App selbst war ebenfalls in nur wenigen Minuten im System vorhanden. Auf der PlayStation 3 dagegen war der Weg um einiges komplizierter und lag nach Schätzungen bei ungefähr 35-40 Minuten. Zunächst wurde das fehlende Update bemängelt. Dann wollte der Store mit aktuellen Inhalten gefüllt werden. Schließlich noch die App selbst, die gegen vorherige Downloads relativ flott auf der Daddelkiste eingerichtet wurde.

Aber dieses Beispiel zeigt wieder einmal wie weit auseinander Usability und Kundenservice liegen. Nicht dass eine einmalige Installation ein Weltuntergang wäre. Doch hat man, neben Arbeit, Kind und Hof, weitere Dinge zu tun, als sich nur um Updates zu kümmern. Schließlich möchte man spielen, schauen, stöbern, ohne lästige Unterbrechungen. Der Digitale Wandel hat aber auch die Stores voll im Griff. Schade nur, wenn Sony die Bandbreite ihrer Server so in den Keller schraubt, dass einem die Laune an digitalen Käufen ins unermessliche sinkt. So wollte ich mir mit einer 16Mbit-Leitung (reel 14,75Mbit) Ratched & Clank: Crack in Time downloaden. Lange Rede, kurzer Sinn: Bei durchschnittlich 4-5 Tagen Downloadzeit für 21GB keine Alternative zum Kauf im Geizmarkt, geschweige denn Onlinehandel.

Dass die Updates und Spielrelevanten Patches und Updates aber auch noch zwingend notwendig sind, sogar eine Installation des Spiels, auf den megagroßen Blu-Ray Discs (die Datenmenge wurde uns ja schließlich als Vorteil verkauft), errinnert zurecht an PC-Gaming. Dass ein Blockbuster von Festplatte schneller lädt, mag wohl so sein. Dass wir aber zusätzlich noch 5-10GB als Startdatei herunterladen müssen, ist eine Bodenlose Frechtheit. Nicht dass dies für viele User nicht möglich ist (Thema Breitbandausbau), so beweist es doch, dass die investierten 60 Euro für ein unfertige Spiel gelten.

Als die Updatepraxis für Spiele auch auf der PS Vita einzug gehalten hat, war für mich irgendwo die Grenze erreicht. Soll ich mir jedes mal eine Viertel Stunde einplanen um Updates und Patches zu installieren, bevor ich von einem harten Tag abschalten und entspannen kann? Als das Galaxy S3 Smartphone das Licht der Welt erblickte, war es Zeit für ein neues Gamingerlebnis. Ich hätte davon eigentlich kaum bis gar nichts gewusst. Als ich 2011 aber auf der Gamescom die Fortschritte im Mobilen Gaming erfuhr, schließlich durfte ich Modern Combat 3 auf dem iPad spielen, so war für mich klar, dass ist die Zukunft.

Ich habe natürlich auch hier wieder gehadert, mich an Titel zu wagen, die zu komplex waren. Buttons und Analogsticks fehlen bekanntlich bei dieser Art Gerät komplett. Aber nach all den Jahren mobilen Zockens bin ich immer noch begeistert. Warum? Weil ich eine App in wenigen Sekunden starten und spielen kann. Weil ich Updates nicht machen muss. Weil verpflichtende Updates sich im Hintergrund laden und installieren. Weil ich in den Play Store kann, ohne dafür ein Update zu brauchen. Wisch, Wisch, Tipp, los geht es!

Besonders fraglich ist oftmals nicht, ob man genügend Bandbreite für Downloads, Patches, Firmwares und Updates besitzt. Es ist die Frage, ob man diese Spiele, Titel und Programme noch in 20 Jahren benutzen kann. Wo soll man an die benötigten Daten herankommen? Wird man Archive im Internet haben, die solcherlei Daten rechtmäßig anbieten dürfen? Wird es den freundlichen Kundenservice geben, der einem Datenträger zusendet? Wird man seinen Nachbar fragen müssen, ob er den Speicher auslesen kann? Die Fragen über die Zukunftsfähigkeit heutiger Spiele steht also in den Sternen.

Können Hersteller nicht mehr komplette oder fehlerreduzierte Spiele anfertigen? Müssen es immer Gigabyte große Patches sein? Muss man immer die neueste Firmware benutzen?

Inzwischen ist das Ungemach groß, die Kunden würden lieber fertige Software kaufen, Verschiebungen in Kauf nehmen und direkt losspielen. In den Sozialen Netwerken sind EA und Ubisoft keine geliebten Firmen, im Gegenteil hat EA schon vielfach den Preis als schlechtestes Unternehmen gewonnen. Ubisoft möchte sich wohl direkt dahinter einreihen, denn AC Unity hat drei Wochen lang Frust bei den Erstkäufern verursacht, ehe man sich gezwungen sah, überhaupt einmal eine Stellungnahme abzugeben.

Ich überlege mir inzwischen ab und zu immer noch, ob ich auf die aktuelle Konsolengeneration umsteigen soll. Geld ist nicht das Problem, aber alleine schon beim Gedanken an den Update- und Onlinezwang der Xbox One vergeht mir schon wieder die Lust. Derweil schiebe ich F-Zero ins SNES und zocke los…

Freut euch auf den nächsten Artikel: Teurer, weniger Inhalt

Euer Alex

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